Cloud-Einnahmen steigen

Oracle schwächelt bei Umsatz und Gewinn

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Die schwierige Transformation vom klassischen Softwarelizenz-Business zum Zukunftsmarkt mit Cloud-Abos macht Oracle weiter zu schaffen. Zum vierten Mal in Folge musste der Softwareriese sinkende Einnahmen ausweisen. Immerhin: Die Cloud-Umsätze wachsen.

Oracle nahm im abgelaufenen Quartal 9,01 Milliarden Dollar ein, das sind drei Prozent weniger als im Vorjahr und ebenfalls etwas weniger als von den Analysten an der Wallstreet erwartet worden war (9,12 Milliarden). Ohne die ungünstigen Währungsbedingungen wäre der Umsatz um ein Prozent gestiegen, teilte der nach Microsoft zweitgrößte Softwarekonzern der Welt mit. Da der Gewinn mit 64 Cent je Aktie (2,14 Milliarden Dollar) etwas höher als erwartet ausfiel und Oracle zudem ein Aktienrückkauf-Programm über 10 Milliarden Dollar ankündigte, stieg der Aktienkurs nachbörslich um vier Prozent auf 40,30 Dollar.

Oracle-Gründer Larry Ellison ist sich sicher: Die Kunden steigen um in die Oracle-Cloud.
Oracle-Gründer Larry Ellison ist sich sicher: Die Kunden steigen um in die Oracle-Cloud.
Foto: Oracle

Oracle zeigte sich zur gestrigen Ergebnisankündigung vor allem stolz auf den um 40 Prozent gestiegenen Cloud-Umsatz, der um 40 Prozent auf ein Volumen von 735 Millionen Dollar anstieg. Auch hier hätte ohne währungsbedingte Einbußen ein Plus von 44 Prozent zu Buche gestanden. Dennoch ist klar, dass die Cloud-Umsätze nicht einmal zehn Prozent vom Gesamtumsatz ausmachen, und im klassischen Software-Lizenzgeschäft sowie im Hardwarebereich lief es nicht besonders gut.

Das Geschäft mit On-Premise-Software - insbesondere Datenbank- und ERP-Lizenzen - schrumpfte um vier Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar. Der Hardwarebereich, wo Oracle mit Hyperconverged Systems punkten möchte, brach um 13 Prozent auf ein Volumen von 1,1 Milliarden Dollar ein. Ohne Währungsschwankungen hätte das klassische Softwaregeschäft stagniert, das Hardware-Business wäre rückläufig ausgefallen.

Ellison: Kunden bleiben uns treu

"Unsere Kunden kehren uns keineswegs den Rücken zu", sagte Unternehmensgründer Larry Ellison im sogenannten Earning Call. "Im Gegenteil, derzeit überführen sie jede Menge Zeug in die Oracle-Cloud!" Oracle zählte im abgelaufenen Geschäftsquartal 942 neue SaaS-Kunden, bilanzierte CEO Mark Hurd. Insgesamt habe man nun 11000 Cloud-Kunden, darunter namhafte Konzerne wie Blue Shield of California oder Japan Airlines.

Oracle hat zwei CEOs: Mark Hurd und Safra Catz.
Oracle hat zwei CEOs: Mark Hurd und Safra Catz.

Quiz Hybrid Cloud

Oracle habe mehr als zehn Mal so viele ERP-Kunden wie Workday, sagte Ellison, der sich diesen Seitenhieb auf seinen Lieblingsfeind nicht verkneifen konnte. Außerdem sei man sehr erfolgsreich in Märkten, die ein Rivale wie Salesforce gar nicht adressiere - zum Beispiel Human Resource Management.

Oracle will Kunden entgegen kommen

Aus Kundensicht dürfte besonders interessant sein, was Co-CEO Safra Catz versprach: Oracle wolle das Unternehmen werden, mit dem Kunden am einfachsten Geschäfte machen könnten, hieß es. "Sie werden sehr positive Veränderungen sehen, die unsere Kunden lieben werden!" Worum es genau geht, ließ die Konzernchefin im Dunkeln, doch Oracle war zuletzt immer wieder wegen aus Kundensicht unvorteilhaften Lizenzbedingungen im Gerede gewesen.