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Oracle punktet gegen das US-Justizministerium

09.06.2004

Der erste Prozesstag im Verfahren des US-amerikanischen Justizministeriums gegen Oracle ging an den Datenbankspezialisten. Die Kartellbehörden versuchen, Oracles Bemühungen, den Konkurrenten Peoplesoft im Rahmen einer feindlichen Übernahme zu schlucken, per Gerichtsbeschluss abzublocken. Hauptargument der Justiz ist dabei der Vorwurf, eine geglückte Akquisition gehe zu Lasten des Wettbewerbs im Markt für konzernweite Geschäftsanwendungen und damit letztendlich zu Lasten der Kunden, die im schlimmsten Fall steigende Preise zu befürchten hätten.

Doch bereits am ersten Tag des Verfahrens bekam die Strategie des Ministeriums einen empfindlichen Dämpfer. Zwar betonte der erste Zeuge der Anklage Scott Hatfield, Chief Information Officer (CIO) von Cox Communications, dass sein Unternehmen im Rahmen eines Softwarekaufs nur aufgrund des Wettbewerbs zwischen Peoplesoft und Oracle ein bis zwei Millionen Dollar sparen konnte. Der von den Vertretern der US-Justiz als Zeuge vorgeladene Richard Bergquist, Chief Technology Officer (CTO) von Peoplesoft, musste jedoch in einem vom Oracle-Anwalt Daniel Wall hart geführten Kreuzverhör einräumen, dass sich der Wettbewerb nicht allein auf die Unternehmen SAP, Oracle und Peoplesoft beschränkt. Vielmehr konkurriere Peoplesoft in den USA auch mit Softwareanbietern wie Lawson Software Inc. oder American Management Systems (AMS).

Oracle-Anwalt Wall hatte den Peoplesoft-Manager mit firmeninternen Dokumenten konfrontiert, in denen der Wettbewerb mit den genannten Firmen thematisiert wurde. Unter anderem wird darin AMS als ernst zu nehmender Konkurrent bei Ausschreibungen im öffentlichen Sektor genannt. Im Wettbewerb mit Lawson habe Peoplesoft angeordnet, zusätzliche kostenlose Services anzubieten, um Aufträge an Land zu ziehen. Außerdem belegten die Dokumente, dass Peoplesoft im Juli vergangenen Jahres 28 Aufträge an Lawson verloren hatte. Im gleichen Zeitraum unterlag der Hersteller bei 33 Deals SAP und bei 38 Abschlüssen Oracle. Ein Peoplesoft-Anwalt hatte bis zuletzt versucht, die Verwendung der internen Papiere mit dem Verweis auf die Vertraulichkeit der darin enthaltenen Informationen zu verhindern. Richter Judge Walker lehnte dieses Ansinnen jedoch ab. (ba)