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Oracle nennt Details zur Datenbankstrategie für das ERP-Portfolio

19.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Oracle mit Peoplesoft und Retek zwei Anbieter von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware übernommen hat, wartet die Branche gespannt auf die weiteren Entwicklungen. Bei Äußerungen zur Zukunft der ERP-Produkte versucht der Hersteller, Aufregung in der Peoplesoft-Klientel zu vermeiden. Dies betrifft auch die Datenbankunterstützung. Während Oracles "E-Business Suite" nur die hauseigene Datenbank nutzt, lassen sich die Peoplesoft-Produkte auch auf IBMs DB2 betreiben. "Anwender profitieren, wenn wir die Datenbank optimieren sowie deren spezifische Funktionen nutzen können", so President Charles Phillips, fügt aber hinzu: "Wir können dies aber nicht für eine unendliche Anzahl an Datenbankkonfigurationen realisieren." Man rede derzeit mit den Kunden und werde eine Entscheidung später treffen. Grundsätzlich hat Oracle vor, Business-Logik verstärkt in der Middleware statt in der Datenbank abzulegen, womit die Frage nach der Datenbanktechnik etwas entschärft wird. Im Gegensatz zu "Peoplesoft Enterprise" liegt der größte Teil der Geschäftslogik der E-Business Suite in der Datenbank.

Fest steht schon jetzt, dass Oracle nach der Zusammenlegung der ERP-Linien ("Project Fusion") nicht mehr wie bisher ERP-Produkte gemeinsam mit der IBM-Datenbank anbieten wird. Jedoch wolle der Hersteller mit Big Blue zusammenarbeiten, damit Fusion mit der konkurrierenden Datenbanksoftware betrieben werden kann, hieß es von Seiten der Oracle-Verantwortlichen

Nach wie vor bietet Oracle die übernommenen Produkte an, arbeitet jedoch an einer Harmonisierung der Preismodelle. Die Retek-Lösung soll innerhalb der nächsten sechs Monate in die E-Business Suite integriert werden. Ferner möchte der Datenbankspezialist die Retek-Software in die Fusion-Architektur einbetten.

Oracle plant ferner, die Peoplesoft-Produkte im Hosting offerieren. Unter dem Label "Oracle On Demand" können Firmen schon jetzt die E-Business Suite mieten. Derzeit nutzten 400 Firmen mit insgesamt 100 000 Anwendern dieses Angebot. Peoplesoft selbst hatte schon vor der Übernahme ein ähnliches Hosting-Konzept aufgelegt, dies habe jedoch wenig Erfolg gehabt.

Oracles Roadmap sieht vor, nächstes Jahr ein Major-Update für die ERP-Linien E-Business Suite, Peoplesoft Enterprise und Enterprise One (vormals J.D. Edwards) auszuliefern. Im Jahr 2008 soll dann die Java-basierende Softwareumgebung Fusion auf den Markt kommen. Bestandskunden sollen in der Lage sein, ohne großen Aufwand auf die neue Technik zu migrieren, verspricht der Hersteller.

Phillips zufolge hat Oracle die Lust an Übernahmen noch nicht verloren. Siebel Systems stehe jedoch nicht auf der Einkaufsliste. Der CRM-Spezialist hatte unlängst schlechte Quartalszahlen gemeldet und den Firmenchef ausgetauscht. (fn)