Eloqua-Übernahme

Oracle muss sich gegen Cloud-Anbieter wehren

Martin Bayer
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; mitverantwortlich für die Entwicklung von Themenschwerpunkten; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
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Mit dem Kauf von Eloqua will Oracle sein Cloud-Geschäft weiter auf Touren bringen. Dabei muss sich der Konzern beeilen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Reine Cloud-Anbieter wie Salesforce und Workday sind deutlich agiler.
Oracle-Chef Larry Ellison versucht, sein Cloud-Geschäft stark zu reden - und kauft munter zu.
Oracle-Chef Larry Ellison versucht, sein Cloud-Geschäft stark zu reden - und kauft munter zu.
Foto: Asa Mathat | All Things Digital

Oracle hat Nachholbedarf im Cloud-Geschäft. Nachdem Gründer und CEO Lawrence "Larry" Ellison noch vor wenigen Jahren über die IT-Wolke gelästert hatte und das Ganze als schnell vorübergehenden Hype abgetan hatte, muss er heute sehen, dass er nicht den Anschluss verliert. Agile Cloud-Anbieter wie Salesforce und Workday, die keine On-Premise-Altlasten mit sich herumschleppen, bestimmen heute die Dynamik in diesem Wachstumsmarkt.

Oracle muss sich deshalb beeilen, um nicht komplett abgehängt zu werden. Das haben die Verantwortlichen mittlerweile auch erkannt und forcieren ihr Cloud-Business vor allem durch Akquisitionen. Jüngster Coup: Kurz vor Weihnachten gab Oracle bekannt, den US-Anbieter Eloqua für 871 Millionen Dollar übernehmen zu wollen. Das Unternehmen bietet Lösungen für Marketing-Automation aus der Cloud an. Damit würden die Anwender in die Lage versetzt, das Potenzial ihrer Kunden effizienter zu analysieren und zu nutzen. Beispielsweise ließen sich Kundenverhalten sowie Entscheidungsprozesse besser untersuchen und auf dieser Basis dann Kunden genauer qualifizieren und Verkaufschancen identifizieren.

Mit dem Kauf von Eloqua baut Oracle sein Portfolio von Customer-Relationship-Management-Lösungen (CRM) aus der Coud weiter aus. Zuvor hatte der Konzern bereits viel Geld in die Übernahmen von Vitrue und Rightnow gesteckt. Die Modernisierung der Marketing-Aktivitäten sei in vielen Unternehmen derzeit ein kritischer Bereich, in den viel Geld investiert werde, begründete Oracles Softwarechef Thomas Kurian die Übernahme. Die Marketing-Automation-Lösungen von Eloqua würden künftig das Herzstück von Oracles Marketing-Cloud bilden, kündigte der Manager an.

Die Übernahme zeigt indes, dass im Cloud-Geschäft derzeit mit harten Bandagen um eine gute Ausgangsposition gekämpft wird. Mit dem Deal gelingt Oracle auch ein Schlag gegen den Konkurrenten Salesforce. Eloqua ist ein wichtiger Partner für das Ökosystem des CRM-Cloud-Spezialisten. Zwar beteuerten die Oracle-Verantwortlichen, die Lösung offen für Dritt-Anwendungen zu halten. Analysten wie Denis Prombriant von der Beagle Research Group rechnen jedoch damit, dass sich das ändern könnte.

Damit dürfte sich der Wettbewerb weiter verschärfen. Auch Salesforce hatte zuletzt sein Cloud-Angebot an Marketing-Lösungen ausgebaut, sich mit den Übernahmen von Radian6 und Buddy Media allerdings hauptsächlich auf Social-Komponenten konzentriert. Da nun mit dem Kauf von Eloqua ein unabhängiger Partner für die Marketing-Automatisierung wegfällt, könnte Salesforce nun selbst in diesem Bereich aktiv werden, glauben Experten.

Derweil versucht Oracle-Chef Ellison, sein Cloud-Geschäft stark zu reden. Dabei nimmt er vor allem Konkurrenten wie Salesforce und Workday ins Visier. Man habe zuletzt gute Deals gegen Salesforce gewonnen, ließ er durchblicken. Workday sei in Nordamerika schon geschlagen und in Europa beinahe vom Markt gedrängt. Ellisons Salven sind jedoch auch ein Zeichen dafür, an welcher Stelle er offensichtlich Bedrohungen für das eigene Geschäft sieht. Workday, das im Oktober 2012 an die Börse gegangen war, bietet Human-Resources-Lösungen aus der Cloud an. Gerade hier wird jedoch deutlich, wo derzeit die Musik im Softwaremarkt spielt. Das Unternehmen, das von Dave Duffield 2005 gegründet worden war, nachdem Oracle dessen Softwarefirma Peoplesoft nach einem harten Übernahmekampf geschluckt hatte, wird derzeit mit rund neun Milliarden Dollar bewertet - bei Quartalsumsätzen von um die 70 Millionen Dollar. Allerdings konnte der Cloud-Spezialist seine Einnahmen zuletzt verdoppeln.

Davon kann Oracle nur träumen. Der Konzern konnte in seinem zweiten Fiskalquartal des laufenden Geschäftsjahres zwar seinen Profit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar steigern. Der Umsatz legte dagegen nur um bescheidene drei Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar zu. Die Cloud-Einnahmen bezifferte CFO Safra Catz auf 230 Millionen Dollar. Das sind 2,5 Prozent des Gesamtumsatzes. Wichtigster Grundpfeiler für Oracle bleibt das hochprofitable Wartungsgeschäft für klassische On-Premise-Software, das mit rund 4,3 Milliarden Dollar fast die Hälfte zum Umsatz beiträgt.