Gewinnschwund

Oracle leidet weiter unter dem starken Dollar

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Oracle macht zwar Fortschritte beim Umschwung in Richtung Cloud, allerdings steht dem SAP-Rivalen weiter der starke US-Dollar im Weg.

Oracle wies gestern Abend nach US-Börsenschluss für sein Ende August abgeschlossenes erstes Quartal seines neuen Geschäftsjahres 20 Prozent weniger Nettogewinn aus als ein Jahr zuvor - währungsbereinigt wäre der Net Profit nur um acht Prozent gesunken. Und der Konzernumsatz, um zwei Prozent unter dem der vergleichbaren Vorjahreszeit, wäre bei konstanten Wechselkursen um sieben Prozent gestiegen. Der starke Dollar lässt aus Sicht des Anbieters auch seinen Rückgang im Geschäft mit neuen Softwarelizenzen schlimmer aussehen als er ist - in Dollar beträgt er 16 Prozent, währungsbereinigt "nur" noch neun Prozentpunkte.

Oracle-Zentrale in Redwood Shores, Kalifornien
Oracle-Zentrale in Redwood Shores, Kalifornien
Foto: Oracle

Seine Erlöse mit Cloud-Lösungen konnte Oracle nach eigenen Angaben um fast 29 Prozent auf 611 Millionen Dollar steigern. Das Wachstum ist ohne Zweifel erfreulich, allerdings mach Cloud bislang trotzdem nur sieben Prozent vom Konzernumsatz aus. CEO Lawrence "Larry" Ellison sagte laut "Wall Street Journal" in der Telefonkonferenz mit Finanzanalysten, für Oracles Cloud-Business beginne nun die "rapid-growth, scale-out phase". Ellison nimmt bekanntlich gern mal den Mund etwas voller.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Generell hat der in der Softwarebranche angesagte Umstieg von Softwareverkäufen auf Abomodelle und Services für die Bilanzen der Anbieter weitreichende Folgen - Umsätze werden beispielsweise nicht mehr sofort beim Abschluss eines Vertrags komplett verbucht, sondern über die Laufzeit hinweg (sie bilden im Balance Sheet sogenannten Deferred Revenue). Gleichzeitig fallen unter Umständen hohe Kosten für den Bau von Cloud-Rechenzentren - die will Oracle aber größtenteils bereits hinter sich gelassen haben. "Sie versuchen zu signalisieren, dass sich ihr Margenprofil im Angesicht dieses Übergangs weiterhin verbessern könnte", sagt der Edward-Jones-Analyst Bill Kreher. "Das bleibt aber erst einmal abzuwarten."

Für das Q1 wies Oracle jedenfalls gestern Abend einen Reingewinn von 1,75 Milliarden Dollar oder 40 Cent pro Aktie aus nach 2,18 Milliarden Dollar oder 48 Cent je Anteilschein in der vergleichbaren Vorjahreszeit. Abzüglich Aktienoptionen und anderen Sondereffekten ergibt sich ein Pro-forma-Gewinn von 53 (62) Cent pro Aktie. Die von Thomson Reuters befragten Analysten hatten hier im Schnitt 52 Cent erwartet. Der Quartalsumsatz sank im Jahresvergleich von 8,6 Milliarden auf 8,45 Milliarden Dollar. Hier hatte der Analystenkonsens mit 8,53 Milliarden geringfügig höher gelegen.

Co-CEO Safra Catz stellte für das laufende Quartal ein weiteres starkes Cloud-Wachstum in Aussicht; der Gesamtumsatz soll währungsbereinigt aber nur zwischen minus zwei und plus ein Prozent gegenüber Vorjahr liegen. Beim Pro-forma-EPS setzte Catz eine Spanne von 63 bis 66 Cent an. Die Analysten gehen bisher von 65 Cent und Erlösen von 9,54 Milliarden Dollar (entspräche minus 1 Prozent YOY). Die aktuellen Quartalszahlen zeigen aus Sicht von Daniel Ives von FBR Capital Markets, dass vor Oracle noch "einige Schwerstarbeit liegt". Die Aktie des Datenbankriesen fiel dann auch nachbörslich um knapp zwei Prozentpunkte.