"Geheimvertrag"?

Oracle legt im Itanium-Streit mit HP nach

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Oracle verschärft im Itanium-Streit mit Hewlett-Packard den Ton.
Oracle will Itanium nicht mehr unterstützen, HP ist deswegen mächtig sauer.
Oracle will Itanium nicht mehr unterstützen, HP ist deswegen mächtig sauer.
Foto: Intel

Am Freitag reichte Oracle bei Gericht Unterlagen ein, die einen "Geheimvertrag" ziwschen HP und Intel beweisen sollen. Der Kontrakt habe Intel demnach dazu verpflichtet, zwei weitere Technologie-Generationen der Itanium-Architektur herauszubringen, obwohl Intel den 64-Bit-Chip angesichts der Verkaufszahlen eigentlich längst einstellen wollte, schreibt das "Wall Street Journal".

"Egal wie harmlos HP das klingen lassen möchte - dem Markt ist nie gesagt worden, dass Itanium nur deswegen noch lebt, weil HP dafür bezahlt, dass Intel weitermacht", so Oracle. "Das Ganze ist ein Remake von 'Weekend at Bernie's'." (ein Hollywood-Streifen, in dem es darum geht, so zu tun als sei ein Toter noch am Leben, Anm. d. Red.).

HP ist natürlich der Ansicht, es gebe in der Sache überhaupt keine Geheimniskrämerei. "Oracle weiß nur zu gut, dass HP und Intel eine vertragliche Verpflichtung haben, unseren Kunden noch für mindestens zwei Chipgenerationen geschäftskritische Itanium-Prozessoren zu verkaufen und damit die Verfügbarkeit von Itanium bis mindestens Ende des Jahreszehnts sicherzustellen", sagte eine Konzernsprecherin.

Mit seiner Entscheidung, Itanium softwareseitig nicht länger zu unterstützen, habe Oracle lediglich zum Kauf der eigenen (Sun-)Server nötigen und die Wahlmöglichkeiten im Markt einschränken wollen. Intel lehnte eine Stellungnahme ab.

Intel und HP hatten die reine 64-Bit-Architektur Itanium in den 1990er Jahren als designierten Nachfolger für HPs "PA-RISC"-Chips entwickelt und geschätzte zehn Milliarden Dollar investiert. Am Markt kam Itanium allerdings kaum an, weil es komplett neue Software erforderte. Als Intel-Rivale AMD seine Opteron-Prozessoren mit 64-Bit-Erweiterungen des x86-Befehlssatzes herausbrachte, gefiel dieses Konzept den Anwendern viel besser, weil sie ihre bisherige Software weiterverwenden konnten. Intel sprang dann flugs auch auf den x64-Zug auf; Itanium fristet seither ein Nischendasein primär im HPC-Umfeld.