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Oracle holt Siebel-on-Demand nach Hause

15.03.2006
IBMs Tage als langjähriger Hosting-Partner für Siebels CRM-on-Demand-Lösungen sind wohl gezählt. Die neue Version 7 will Oracle im eigenen Rechenzentrum hosten.

Anlässlich des Customer-Relationship-Management-Forums (CRM) von Gartner in London verkündete Anthony Lye, Vice President für Oracles CRM-Produkte, der Datenbankanbieter werde die künftige Version 7 von Siebels Mietlösungen für das Kunden-Management im eigenen Rechenzentrum vorhalten. Oracle hatte im Herbst vergangenen Jahres angekündigt, den CRM-Spezialisten übernehmen zu wollen. Ende Januar 2006 wurde die Akquisition offiziell von den Entscheidungsgremien beider Unternehmen durchgewinkt (siehe auch: Oracle schließt Siebel-Übernahme ab).

Mit der Siebel-Übernahme schielen die Oracle-Verantwortlichen auch auf das wachsende On-Demand-Geschäft mit CRM-Lösungen. Firmen wie Salesforce.com und Rightnow Technologies präsentierten in den vergangenen Jahren kontinuierlich stark steigende Nutzer- und Umsatzzahlen und haben damit Begehrlichkeiten der großen Softwareanbieter geweckt.

Die Akquisition von Siebel durch Oracle stellte jedoch die Partnerschaft des CRM-Spezialisten mit IBM in Frage. Big Blue fungierte als Hosting-Anbieter für Siebels CRM-on-Demand-Lösungen, die bislang auf IBMs Websphere-Plattform laufen. Experten hatten bereits seit Monaten darüber spekuliert, Oracle werde die Kooperation mit dem ärgsten Widersacher in den Bereichen Middleware und Datenbanken beenden und Siebels On-Demand-Angebot ins eigene Rechenzentrum holen. Zudem hatte Oracles Erzrivale im Applikationsgeschäft SAP vor wenigen Wochen eine Zusammenarbeit mit IBM angekündigt (siehe auch: SAP: On-Demand soll klassisches CRM-Geschäft ergänzen). Die jüngst angekündigte CRM-on-Demand-Lösung aus Walldorf soll in Big Blues Rechenzentren gehostet werden.

Auf Knopfdruck werden sich Siebels CRM-Mietangebote jedoch nicht in Oracles Rechenzentrum umschalten lassen. Die bestehenden On-Demand-Lösungen sind auf IBMs Middleware- und Datenbankplattform angepasst. Oracle-Manager Lye sprach in diesem Zusammenhang auch nur davon, die neue Version in die eigenen Rechenzentren zu holen. Von einer Migration der bestehenden Mietangebote war nicht die Rede.

Die Rivalität zwischen IBM und Oracle hat noch eine weitere pikante Note. Big Blue ist einer der größten Siebel-Anwender. Treten die Oracle-Verantwortlichen zu forsch auf, verlieren sie einen ihrer wichtigsten Kunden. Nichtsdestotrotz versucht Oracle derzeit, seine eigenen On-Demand-Geschäfte zu forcieren. Jürgen Rottler, verantwortlich für den Hosting-Bereich von Oracle, kündigte vor kurzem im Gespräch mit der Computerwoche an, in wenigen Jahren rund 50 Prozent zum Gesamtumsatz des Softwarekonzerns beitragen zu wollen (siehe auch: Jürgen Rottler, Oracle: On-Demand ist eine Waffe gegen SAP). Derzeit liegt der Anteil bei etwa fünf Prozent. (ba)