SAP-Chef Bill McDermott im Interview

"Oracle hinkt drei Jahre hinterher"

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Anlässlich der Bekanntgabe von SAPs jüngsten Quartalszahlen hatte unser Korrespondent Chris Kanaracus vom "IDG News Service" Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch. Es ging um Oracle, Hana - und das Leben in Deutschland.

CW: SAP möchte, dass seine Kunden auf die In-Memory-Plattform Hana wechseln. Viele Unternehmen haben derzeit aber Oracles Datenbank im Einsatz. Oracle selbst bietet nun ebenfalls eine In-Memory-Option für seine Datenbank an. Was bedeutet das für Hana - auch vor dem Hintergrund, dass SAP ja ein wichtiger Reseller der Oracle-Datenbank ist?

McDermott: Kunden möchten Auswahl, und wir glauben an offene Märkte und Wahlfreiheit. SAP-Anwendungen laufen seit vielen Jahren auf Oracle-Datenbanken. Diese Option wird es für unsere Kunden weiterhin geben. Oracle hat seine In-Memory Option ja noch gar nicht wirklich im Markt. Sie hinken wahrscheinlich um rund drei Jahre hinterher. Gestern hatte ich mit einem großen Chemiekonzern zu tun. Sie sind an einem Fleet Management in Echtzeit interessiert. Das kann man mit Hana tun - und mit keiner anderen Datenbank.

SAP-Chef Bill McDermott: "Oracle hinkt drei Jahre hinterher"
SAP-Chef Bill McDermott: "Oracle hinkt drei Jahre hinterher"
Foto: IDGNS

CW: SAP weist in seinen Bilanzen nicht mehr den Hana-Umsatz, sondern nur noch die Zahl der Kunden aus. Warum?

McDermott: Wir sind einfach ein zu großes Unternehmen, um solche Zahlen auf einem derart granularen Level auszuweisen. Hana ist inzwischen mit allem verknüpft, was wir anzubieten haben. Ob es eine Cloud-Anwendung für Fachabteilungen ist oder eine Software-Suite auf einer Hana Enterprise Cloud - immer ist Hana Teil der Lösung. Wir haben 1.200 Suite-on-Hana-Kunden und zählen mehr als 1500 Startups, die ihre Angebote auf Hana aufsetzen. Wir verkaufen eine Menge Big-Data-Lösungen, die auf Hana aufsetzen. Inzwischen zählen wir 38 Millionen SAP- Cloud-Anwender. Jeder von ihnen wird ein Hana-Nutzer sein.

CW: SAP hat zuletzt wenig Lärm um seine Sybase-Mobility-Produkte gemacht und auch hier nicht explizit den Umsatz ausgewiesen. Wie laufen die Mobile-Geschäfte?

McDermott: Sie laufen prima, insbesondere die Unwired Platform und Afaria für die Endgerätesicherheit. Wir haben heute Anwendungen für 27 verschiedene Branchen im Angebot, wo wir den Anwender jeweils eine schöne Benutzererfahrung auf ihren Endgeräten bieten. Auch diese Zahlen können wir nicht im Detail herausgeben - denn was ist heute nicht mobil?

CW: SAP hat heute eine neue Organisation angekündigt, die sich auf kleine und mittlere Unternehmen fokussieren soll. Geht es wieder einmal darum, die ERP-Cloud-Suite Business ByDesign zu pushen? Wir haben von ihr zum letzten Mal im Oktober 2013 gehört, als sie deren Portierung auf Hana angekündigt haben.

McDermott: ByDesign läuft inzwischen auf Hana. Wir haben es nach wie vor in unserem Angebot. Die neue Abteilung wird auch Business One auf Hana herausbringen, und zwar weltweit.

CW: Sie haben kürzlich ihr neues Domizil in Deutschland bezogen. Angesichts der Unternehmenskultur und der Tatsache, dass Sie der erste amerikanische CEO von SAP sind, ein wichtiges Zeichen. Wie gefällt es ihnen bislang?

McDermott: Ich liebe es. Ich bin erst am Dienstagabend eingezogen, habe aber bereits den SAP-Aufsichtsrat eingeladen. Ich freue mich, jetzt aus Deutschland heraus arbeiten zu können. Es wird meine wichtigste Basis sein, allerdings abhängig davon, wie oft ich unterwegs sein werde. Am Ende werden wir die Zeiten aufaddieren, und dann werden wir es wissen.