Wegen MySQL

Oracle droht EU-Widerstand gegen die Sun-Übernahme

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Dem Softwareriesen Oracle droht einem Zeitungsbericht zufolge Widerstand der EU gegen die geplante Übernahme von Sun Microsystems.

Oracle sei bislang nicht zu Zugeständnissen bereit gewesen, um die Bedenken der EU-Kartellwächter zu zerstreuen, sagte eine mit der Situation vertraute Person der "Financial Times" (FT). Nun könnte die EU-Kommission in den nächsten Tagen offiziell die Einwände darlegen und damit den ersten Schritt unternehmen, die geplante 7,4 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme zu blockieren.

Die EU-Kartellwächter sorgen sich insbesondere darum, dass Oracle mit seinem Kerngeschäft um proprietäre Software herum keine gute Heimat für Suns quelloffenes Datenbankgeschäft mit MySQL sein wird. Der frühere MySQL-Chef Marten Mickos hat der EU zwar empfohlen, die Übernahme von Sun durchzuwinken; MySQL-Mitgründer Michael "Monty" Widenius hat sich aber ebenso wie der Advokat für Freie Software Richard Stallman entschieden dagegen ausgesprochen. Beide fordern, MySQL aus der Akquisition auszuklammern.

Nach Einschätzung einiger Beobachter habe Oracle nichts zu verlieren und könne in Ruhe abwarten, was die europäischen Wettbewerbshüter genau beanstanden, schreibt die "FT" weiter. Dann könnte Oracle der Behörde immer noch entgegenkommen oder eine juristische Auseinandersetzung einleiten. Die europäischen Wettbewerbshüter hatten schon einmal im Jahr 2001 den Zusammenschluss zweier großer US-Unternehmen gestoppt und damit in den Vereinigten Staaten für Verstimmung gesorgt. Seither versuchen die Kartellwächter beiderseits des Atlantiks, eine einheitliche Linie zu finden. Für die Sun-Transaktion liegt die Zustimmung der Aktionäre sowie der US-Aufsicht bereits vor.