Jetzt virtualisiert

Oracle bohrt die Exalogic-Software auf

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Oracle hat die Version 2.0 des Softwarestacks "Exalogic Elastic Cloud" vorgestellt, die bei gleicher Hardware deutlich mehr Leistung bringen soll.
Exalogic-Verwaltungsportal
Exalogic-Verwaltungsportal
Foto: Oracle

Das erreicht Oracle primär dadurch, dass der Middleware-Stack jetzt nicht mehr auf Bare-Metal-Servern, sondern virtualisiert auf "Oracle VM" (im Wesentlichen Xen mit Oracle-Label) läuft - allerdings im Augenblick nur zusammen Oracle Enterprise Linux (im Wesentlichen RHEL, optional auch mit "Unbreakable"-Kernel von Oracle) und noch nicht mit Solaris 10/11.

Eigentlich hätte Oracle auch gleich neue Exalogic-Hardware ankündigen können; die neuesten Xeon-E5-Prozessoren hat sich Larry Ellison aber offenbar für die Hausmesse OpenWorld Ende September aufgehoben.

Als das "Engineered System" Exalogic vor rund zwei Jahren vorgestellt wurde, gab es leider weder ausreichend Netzwerkkarten noch Treiber mit Unterstützung für Single-Root-I/O-Virtualisierung (SR-IOV). Oracle hat SR-IOV im Mai in Oracle VM 3.1 (Xen 4.1.2 auf Oracle Unbreakable Enterprise Kernel R2) integriert, das nun den Unterbau für die neue Version 2.0 der Exalogic-Software bildet.

Dank paravirtualisierter Treiber auf einer Hardware Virtual Machine (PHVHM) kann das Gastsystem durch User-Space Memory direkt mit dem Hostadapter im physikalischen Server sprechen. Für die entsprechenden Treiber hat Oracle mit seinem Netzpartner Mellanox - an dem es auch gut zehn Prozent hält - zusammengearbeitet. Es gibt sie bislang aber eben nur für Oracle Linux. Später sollen sie auch auf Solaris portiert werden, damit man auch dessen Container auf Exalogic benutzen kann.

Der für Exalogic zuständige Director of Product Management, Mike Palmeter, sagte dem Branchendienst "The Register", dass der Oracle-VM-Hypervisor mit dem neuen Ansatz ein bis zwei Prozent CPU-Overhead und ein paar Gigabyte Hauptspeicher verbrauche, dass aber "Anwendungsdurchsatz und Latenz prinzipiell vom Hypervisor nicht beeinträchtigt werden".

Ebenfalls neu in der Exalogic-2.0-Software ist der "Oracle Traffic Director" (den einige Kunden auch schon zuvor erhalten hatten), bei dem Oracle auf Basis des Codes von Sun / Netscape / iPlanet einen vollwertigen und optimierten Reverse Proxy und Load Balancer auf Applikationsebene entwickelt hat. Der unterstützt auch die AES-Verschlüsselung der Xeon-5600s in der aktuellen Exalogic-Hardware ("X2-2") und kann auch auf einige internen Nodes laufen, statt ein externes Appliance à la F5 Networks "BigIP" herzunehmen.

Ein volles Exalogic-Rack kostet eine gute Million Dollar.
Ein volles Exalogic-Rack kostet eine gute Million Dollar.
Foto: Oracle

Eine weitere Neuerung ist der "Oracle Virtual Assembly Builder". Dahinter verbirgt sich ein Tool, das über XML-Metadaten die Installation komplexer Anwendungs- und Middleware-Kombinationen automatisiert. Für die eigenen Applikationen liefert Oracle entsprechende Vorlagen mit. Für andere Anwendungen kann man diese anpassen oder eigene Templates komplett selbst erstellen. Über das Server-Verwaltungsportal von Exalogic 2.0 und dessen unterliegende Orchestrierungs-Engine spricht der VAB über eine Java-API.

Last, but not least kann man dank der Virtualisierung (zumindest was Linux betrifft) nun den "Oracle Enterprise Manager" für die Provisionierung und den Betrieb der virtuellen Exalogic-Maschinen einsetzen.

Die Exalogic-2.0-Software ist ab sofort erhältlich und unterstützt alle bisherige Exalogic-Hardware. Bestandskunden mit Wartungsvertrag erhalten das Upgrade kostenlos.

Exalogic X2-2 gibt es als volles, halbes, Viertel- und Achtel-Rack; aktuell skaliert das System bis zu vier Racks in einem Single Cluster. Laut Palmeter gibt es aber noch keinen Kunden, der mehr als zwei Schränke installiert hätte, was mit 720 Cores für den Application Layer auch schon "eine wirklich große Plattform" sei.

In einem vollen Exalogic-Rack stecken 30 Zwei-Sockel-x86-Server mit zusammen 360 Xeon-5600-Kernen, 2,9 Terabyte Hauptspeicher und 60 TB Plattenplatz. QDR-Infinband-Switching verbindet die Nodes und erlaubt Remote Direct Memory Access (RDMA). Zur Verbindung mit der Außenwelt dienen 32 10GE-Ports in verschiedenen Gateways. Billig ist so viel Power natürlich nicht - der Listenpreise für das Full Rack liegt bei knapp 1,1 Millionen Dollar; dazu kommen 129.000 Dollar für den System- und weitere 86.000 Dollar für den OS-Support.