Oracle bietet Aris als eigenes Produkt an

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Vor allem auf Wunsch der US-Kundschaft ist IDS Scheer eine Partnerschaft mit dem SAP-Konkurrenten eingegangen.

Mehr als die Hälfte ihrer Umsätze erzielt die IDS Scheer AG, Saarbrücken, außerhalb Deutschlands. Gute Beziehungen zur SAP AG, Walldorf, und eine tiefe Integration der eigene "Aris"-Werkzeuge in das ESA-Repository des Marktführers genügen vielleicht, um den größten Teil des heimischen Marktes zufrieden zu stellen. Doch in den USA sind die Applikationen der Oracle Corp., Redwood Shores, Kalifornien, ein ernst zu nehmender Mitbewerber für R/3 und Mysap (siehe auch: "Oracle tut sich schwer in Deutschland" und "SAP vs. Oracle: Der Kampf um die Kunden wird härter")

Wolfram Jost, Mitglied des IDS-Scheer-Vorstands
Wolfram Jost, Mitglied des IDS-Scheer-Vorstands

Deshalb suchten die Saarbrücker Mittel und Wege, um den Oracle-Anwendern den gleichen Komfort bieten zu können wie den SAP-Usern. "Viele große Kunden wollen diese Integration, damit sie ihre Prozesse unabhängig von der technischen Plattform mit Aris beschreiben, analysieren und managen können", bestätigt Wolfram Jost, Mitglied des IDS-Scheer-Vorstands und Leiter der Produktsparte.

Diesem Kundenwunsch kommt IDS Scheer durch eine jetzt angekündigte Partnerschaft mit Oracle entgegen. Sie mündet in eine bidirektionale Schnittstelle zwischen Aris und der Oracle-Middleware "Fusion" sowie einem Reseller-Abkommen, in dessen Rahmen Oracle Teile der Aris-Suite an seine Kunden weitergeben darf. Im vierten Quartal dieses Jahres wollen die Kalifornier die "Oracle Business Process Analysis Suite" auf den Markt bringen. Sie besteht im Wesentlichen aus dem Prozessdesign-Teil von Aris sowie einem Zweiwege-Interface auf der Basis des BPEL-Standards (Business Process Execution Language).

Der Produktcharakter der Integration und das Reseller-Abkommen unterscheiden die Partnerschaft mit Oracle von der mit dem anderen großen Middleware-Anbieter, der IBM Corp. Armonk, New York. "Mit IBM kooperieren wir eher auf Projektbasis - wenn auch mit großen Kunden", erläutert Jost, "und zu Websphere gibt es nur eine einseitige Schnittstelle, also keine Rückspiegelung an Aris."

Allerdings habe IDS Scheer, so das Vorstandsmitglied, bereits erste Gespräche geführt, um auch im IBM-Umfeld zu ermöglichen, was in der Oracle-Welt demnächst möglich sein soll: Die in Aris erstellten Prozessmodelle werden in Oracles Fusion-Middleware übertragen, mit Informationen über die "Execution" ergänzt, anschließend ausgeführt und schließlich zu Aris zurückgeschickt, wo sie verändert und verwaltet werden. Eine ähnlich tiefe Integration besteht derzeit nur noch zur "Interstage"-Suite von Fujitsu.

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