Oracle befragte 509 IT- und Personalchefs Deutsche DV-Leute sind gefragte Experten fuer Paneuropa-Projekte

13.08.1993

MUENCHEN (CW) - Bei Europas IT- und Personalverantwortlichen stehen deutsche DV-Experten hoch im Kurs. Nach einer von Oracle in Auftrag gegebenen Anwenderbefragung wollen fast zwei Fuenftel der Interview-Partner bei europaweiten DV-Projekten kuenftig auf deutsches Know-how zurueckgreifen.

Bislang hatten die Briten den groessten Teil der europaeischen DV- Gastarbeiter gestellt. Der Oracle-Untersuchung zufolge wandten sich bis zum Januar dieses Jahres nur 19 Prozent der befragten IT- Chefs an deutsche Experten, waehrend sich 24 Prozent von britischen DV-Profis unterstuetzen liessen.

Mittlerweile hat sich dieses Verhaeltnis mehr als umgekehrt: Rund 39 Prozent der Befragten wollen kuenftig deutsche IT-Spezialisten konsultieren, nur noch 19 Prozent sind am Skill der Briten interessiert. Den Grund fuer die Trendwende sieht Oracle darin, dass den Deutschen bessere Management-Kenntnisse zugesprochen werden.

Folglich duerften sich die europaeischen IT-Zentralen europaweit taetiger Unternehmen kuenftig haeufiger in Deutschland ansiedeln. Jeder fuenfte der interviewten Anwender zeigte sich naemlich geneigt, seinen DV-Standort nach der Verfuegbarkeit qualifizierter Mitarbeiter auszuwaehlen.

Um so erstaunlicher ist ein anderes Ergebnis der Oracle-Studie: Demnach hinken die deutschen Anwender bei der Verwirklichung grenzueberschreitender DV-Applikationen hinter ihren auslaendischen Kollegen her. Nur 29 Prozent haben Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt - kein berauschendes Ergebnis gemessen am europaeischen Durchschnitt von 44 Prozent. Wie der britische Oracle- Geschaeftsfuehrer Mike Harrison gegenueber dem Informationsdienst "Computergram" aeusserte, reflektiert dies die Groesse des nationalen Marktes beziehungsweise die - fehlende - Bereitschaft, sich nach Absatzgebieten ausserhalb der heimischen Gefilde umzusehen.

Grundlage der Studie bilden Interviews mit 509 Informationstechnik- oder Personal-Verantwortlichen aus 18 europaeischen Laendern. Die von dem europaeischen Marktforschungsunternehmen Taylor Nelson AGB durchgefuehrte und im "Report on the Development of Cross-Border IT in the New Europe" veroeffentlichte Untersuchung beruecksichtigt nur Unternehmen, die wenigstens 300 Mitarbeiter beschaeftigen und zumindest in zwei europaeischen Laendern operieren.

Europaweite Anwendungen sind vor allem in den Bereichen Buchhaltung und Vertrieb anzutreffen. 85 Prozent der fuer die Oracle-Studie befragten IT-Direktoren nutzen, so "Computergram", ein laenderuebergreifendes Accounting-System, mehr als drei Viertel haetten eine gesamteuropaeische Sales-Applikation im Einsatz.

Insgesamt sind 64 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Cross- Border-Systeme die Effektivitaet der Anwendungen erhoehen. Mit Kosteneinsparungen rechnen 45 Prozent der IT-Verantwortlichen. Auf die Frage nach Hindernissen fuer europaweite Anwendungen lautete jede zweite Antwort: Unterschiede in der Arbeitspraxis.

Einige der Interviewten verwiesen allerdings auch auf moegliche negative Auswirkungen gesamteuropaeischer Applikationen. Wie "Computergram" berichtet, gab jeder Zehnte zu bedenken, dass solche Anwendungen die individuelle Initiative behindern koennten. Zudem hoetten 15 Prozent der Befragten die Befuerchtungen geaeussert, das gesamte Unternehmen koennte von einem einzelnen Land kontrolliert werden.