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Oracle-Anwendergruppen formieren sich

10.02.2006
Nach den Übernahmen von Peoplesoft und J.D. Edwards durch Oracle im vergangenen Jahr wollen nun auch die einzelnen User-Groups über eine Fusion reden.

"Die Herausforderung kommt von Oracle", sagt Fried Saacke. Der Vorsitzende der Deutschen Oracle Anwendergruppe (Doag) erinnert an das "Project Fusion", mit dem der Datenbankanbieter bis 2008 eine einheitliche Applikations-Suite heraus bringen möchte. Zwar hätten die Oracle-Verantwortlichen einen lebenslangen Support für die bestehenden Anwendungslinien versprochen. Allerdings müssten sich die Nutzer auch mit den kommenden Produkten auseinandersetzen, gerade wenn es darum gehe, die eigene IT-Infrastruktur auf eine moderne Basis zu stellen. Daher sei es wichtig, schon während der Entwicklungsphase den Anliegen der Anwender beim Hersteller Gehör zu verschaffen.

Um die Kräfte der Oracle-Anwender zu bündeln, will Saacke die verschiedenen User-Groups unter einer gemeinsamen Dachorganisation vereinen. Bislang betreut die Doag hauptsächlich die Datenbankkunden. Eine kleinere Special Interest Group (Sig) kümmert sich um die Belange der Anwender von Oracles "E-Business Suite". Die User-Groups der von Oracle übernommen Softwareanbieter Peoplesoft und J.D. Edwards agieren bislang noch autonom.

Das will Saacke ändern. Anlässlich eines Treffens der rund 90 Mitglieder zählenden deutsche J.D. Edwards-Anwendergruppe erläuterte er seine Pläne. Künftig soll es neben dem Standbein Technik, das für die Bereiche Datenbanken, Grid-Computing sowie einen großen Teil der Fusion-Middleware zuständig ist, auch eine starke Applications-Gruppe geben. Diese könnte sich dem Doag-Vorsitzenden zufolge in einer Matrix-Organisation aufstellen. Dabei gelte es, sich zum einen mit den verschiedenen Produktlinien zu beschäftigen, und zum anderen funktionale Aspekte wie Human Resources (HR) und Customer Relationship Management (CRM) sowie vertikale Märkte im Auge zu behalten. Von einer vereinigten Anwendergruppe verspricht sich Saacke etliche Vorteile. Mit den neuen Mitgliedern stiegen die Wahrnehmung und damit auch die Durchsetzungskraft gegenüber Oracle.

Die J.D. Edwards-Anwender stehen diesen Plänen durchaus offen gegenüber. Allerdings wolle man im laufenden Jahr noch in der bestehenden Organisation weitermachen, erklärte der scheidende Vorsitzende Peter Mischok. Es gehe in den folgenden Monaten darum, zu beobachten, in welchem Maße sich die Doag gegenüber Oracle behaupten könne und welchen Mehrwert eine Mitgliedschaft in der übergeordneten User Group den J.D.-Edwards-Anwendern biete. Grundsätzlich stehe einer Integration der Anwendergruppen jedoch nichts im Wege.

Trotz der langen Leidensjahre erst nach der Übernahme durch Peoplesoft und der folgenden Akquisition durch Oracle sei die Stimmung unter den J.D.-Edwards-Kunden noch gut, berichtet Mischok. Inzwischen sickerten auch mehr Informationen über die künftige Produktstrategie Oracles durch. Ein Punkt, den die Anwender in der Vergangenheit oft kritisert hatten (siehe auch: Doag: Anwender mahnen Oracle an Suport-Versprechen und Oracles Applications-Kunden klagen über mangelnde Information und Kommunikation). Allerdings bildeten Powerpoint-Präsentationen nur eine Seite der Medaille. Wichtig sei, was später an Produkten herauskommt. Noch hielten die Anwender an ihren Applikationen fest. Wettbewerber wie die SAP agierten jedoch ziemlich aggressiv im Markt. Die Angebote seien auf den ersten Blick auch attraktiv. Allerdings dürfe man auch den Aufwand für eine mögliche Migration nicht unterschätzen.

Um diese Bedenken in der Arbeit der Doag stärker zu berücksichtigen, denkt Saacke bereits an zusätzliche Veranstaltungen. Neben der jährlichen Doag-Tagung könnte es im kommenden Jahr eine gesamteuropäische Konferenz aller Oracle-Anwendergruppen speziell zum Projekt Fusion geben, deutet er an. Vorbereitende Gespräche hätten bereits stattgefunden. (ba)