Social Business im Mittelstand

Optimistische Studie auf der CeBIT vorgestellt

Florian Maier beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Das Munich Digital Institute hat in Hannover eine Studie zum Thema Social Business in mittelständischen Unternehmen vorgestellt.

In Zusammenarbeit mit IBM und Beck et al. Services hat das Munich Digital Institute Unternehmen aus dem Mittelstand in Deutschland, der Schweiz und Österreich zum Thema Social Business interviewt.

Die Studie zu Social-Business-Lösungen

Vor dem Hintergrund, der vielfach geäußerten Vorurteile Social Business sei nur etwas für große Unternehmen und in Deutschland fehle der Anreiz für Innovation, hat man es sich beim Munich Digital Institute zur Aufgabe gemacht, anhand verschiedener konkreter Anwendungs-Beispiele aufzuzeigen, welche Erfolge, Misserfolge, Probleme und Chancen bei der Einbindung von Social-Business-Lösungen entstehen können.

Social Business bei Hamm Reno

Die erfolgreiche Einbindung einer Social-Business-Lösung in einem mittelständischen Unternehmen präsentierte die Hamm Reno Group. Gerrit Welling, Teamleiter Vertrieb Innendienst, über die Substitution des Intranet durch eine auf IBM Connections aufbauende Social-Business-Lösung: "Wir wollten Echtzeit-Kommunikation erreichen und unseren Filialen eine Stimme geben. Diese Ziele wurden zu 100 % erreicht."

Probleme bei der Einführung der neuen Kommunikationsplattform gab es dabei vor allem in Form von Berührungsängsten mit der neuen Technik, wie Welling preisgibt: "Vor 'Wie funktioniert das?' stand noch 'Was ist wenn das kaputt geht?'", beschreibt er die Ausstattung der Mitarbeiter mit neuer Tablet-Hardware aus dem Hause Apple.

Foto: Hamm Reno Group GmbH & Co. KG

Jede der über fünfhundert Reno-Filialen ist inzwischen über eine Scorecard sowohl unternehmensintern als auch öffentlich einsehbar. Über seine Social-Business-Lösung erreicht die Hamm Reno Group nach eigenen Angaben momentan 3500 bis 4000 User beziehungsweise Mitarbeiter. Die öffentliche Vergleichbarkeit der Geschäftserfolge der einzelnen Filialen sieht man bei Hamm Reno jedoch nicht als Förderung eines internen Konkurrenzdenkens. Stattdessen solle man die Transparenz als Chance begreifen, voneinander zu lernen.

Das Ziel von Hamm Reno sei es zudem, so Geschäftsführer Jens Rauschen, die über Jahrzehnte gewachsenen, hierarchischen Strukturen aufzubrechen, Transparenz zu schaffen und in eine direktere Kommunikation mit allen Mitarbeitern einzutreten. Die Mitarbeiter sollen sich über die - inzwischen bereits seit zweieinhalb Jahren eingeführte - Social-Business-Lösung auch in Form von Kritik jederzeit einbringen können.

Neue Wege mit Social Business

Ein weiteres Beispiel für die Etablierung von Social-Business-Lösungen im Mittelstand ist der Outdoor-Ausrüster Vaude Sport GmbH & Co. KG. Dort wurde ebenfalls das Intranet durch eine Social-Business-Lösung ersetzt. Manfred Meindl, Head of Online Marketing dazu: "Besonders als Mittelständler ist es wichtig, High Potentials anzuwerben. Und die erwarten moderne Kommunikationsmittel."

Einen anderen Ansatz fährt hingegen das Internationale Bankhaus Bodensee, wo Social Business zur Kontaktpflege mit bestehenden sowie zur Akquirierung neuer Kunden genutzt wird. Vorstand Thomas Welte gibt jedoch zu bedenken, dass die Etablierung einer Social-Business-Lösung wohl überlegt sein sollte: "Für eine erfolgreiche Einführung so einer Lösung müssen klare Ziele definiert und Verantwortlichkeiten festgelegt sein."

Darum lohnt sich die Umstrukturierung

Das Munich Digital Institute hat im Rahmen der Studie verschiedene Gründe identifiziert, warum es sich für Mittelständler lohnen kann ihre Strukturen durch Social Business zu verändern.

Durch die neu geschaffene Transparenz ergebe sich die Möglichkeit, alle Mitarbeiter persönlich anzusprechen und in Entscheidungsprozesse zu integrieren. Das Beschreiten neuer Wege fördere Wachstum, erfülle gleichzeitig aber auch die Erwartungen junger Mitarbeiter neue Kommunikationsmittel auch im Unternehmensbereich einzusetzen. Die unterschiedlichen Anforderungen an verschiedene Teams, die Vernetzung und der Team-Zusammenhalt könnten der Studie zufolge ebenfalls gestärkt werden.

Soziale Vernetzung und virales Business

Auf Ebene der Geschäftsführung sollte Social Business jedoch auch vorgelebt werden, um die Nutzung und Etablierung zu fördern und die Mitarbeiter von den neuen Kommunikationswegen zu überzeugen. Seitens des Munich Digital Institute wird vorgeschlagen, eine Social-Business-Lösung im Rahmen eines Einstiegsprojektes einzuführen, bei der verschiedene Unternehmensbereiche eingebunden werden.

Das unentwegte Aufzeigen individueller Vorteile sei hierbei unabdingbar und begünstige einen viralen Effekt: Verbesserungen sprechen sich herum und wecken neue Bedürfnisse, die wiederum via Social Business geäußert und im Idealfall auch bedient werden können.