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OpenWorld: Oracle setzt auf CRM On Demand

22.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf der Hausmesse OpenWorld machte Oracles Chief Executive Officer Larry Ellison deutlich, dass Mietlösungen innerhalb der CRM-Produktphilosophie seines Unternehmens eine herausragende Rolle spielen werden. "Wir werden unsere Anstrengungen in diesem Segment verdoppeln", so Ellison.

Oracle hatte Siebel unlängst gekauft (siehe Mit Siebel kauft Oracle Marktanteile und Hintergrund: CRM-Spezialisten werden rar). Der CRM-Spezialist hatte parallel zum klassischen Softwaregeschäft Mietanwendungen entwickelt, bei denen Firmen gegen eine monatliche Gebühr Funktionen für das Kunden-Management nutzen können, ohne die Software im eigenen Hause installieren zu müssen. Dem Vernehmen nach hatte Oracle Siebel unter anderem wegen des CRM-Mietmodells geschluckt. Anbieter von CRM-zur-Miete verzeichnen enorme Umsatzzuwächse.

Der Datenbankspezialist bietet zwar auch Hosting-Dienste an. Diese sind jedoch anders gestaltet als Siebels "On Demand CRM" oder die Angebote von Salesforce.com. Die Kunden müssen die Lösung kaufen und zahlen für die Hosting-Dienste extra. Oracle will für Mietlösungen unterschiedliche Angebotsstrukturen etablieren, nannte aber keine Details.

Konkurrent Salesforce.com hatte als Reaktion auf Oracles Siebel-Kauf den CRM-Mietanwendungen ein baldiges Ende prophezeit. Diese Darstellung weist Ellison jedoch zurück und bemerkte dazu, dass On-Demand-Lösungen zunehmend an Einfluss gewinnen. Salesforce.com und Netsuite seien in diesem Umfeld sehr ernstzunehmende Player.

Künftig arbeitet der IT-Dienstleister EDS arbeitet im Hosting-Geschäft mit Oracle zusammen. EDS wird Applikations-Management, Hosting und Upgrade-Dienste offerieren, die im zweiten Quartal 2006 zur Verfügung stehen sollen. Beispielsweise soll der Serviceanbieter Firmen dabei unterstützen, ihre bestehende Business-Software zu modernisieren oder von Drittsystemen wie SAP R/3 auf Oracle-Produkte zu migrieren. Die Zusammenarbeit umfasst auch Dienste rund um Oracles "Fusion"-Plattform.

Den durch die Siebel-Übernahme verunsicherten Kunden teilte Oracle mit, ihre auf der IBM-Infrastruktur (DB2 und Websphere) laufenden CRM-Applikationen würden weiter gepflegt werden. Auch Siebels On Demand CRM basiert auf der IBM-Middleware, und die Lösungen laufen in Rechenzentren von Big Blue. Ob Oracle hier einen Plattformwechsel vollziehen wird, ist noch nicht ausgemacht. Man wisse noch zu wenig über dieses Produkt. Derzeit verwenden 40 000 Benutzer die Mietprogramme von Siebel. Der CRM-Hersteller hatte im zweiten Quartal insgesamt Verträge im Wert von 202 Millionen Dollar abgeschlossen, was einem Wachstum von 21 Prozent gegenüber dem ersten Kalendervierteljahr entspricht.

Mit dem Kauf des CRM-Anbieters steht Oracle vor der Aufgabe, eine weitere Applikationstechnik in die Fusion-Architektur einzubinden (siehe Siebel bringt Oracles Fusion-Pläne durcheinander). (fn)

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