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OpenWorld: Oracle ist weiter in Kauflaune

08.09.2004

Während Oracle unverdrossen an seinem feindlichen Übernahmeangebot an den Konkurrenten Peoplesoft festhält, zieht die Company gleichzeitig auch weitere Zukaufmöglichkeiten in Betracht. Der Datenbankspezialist sei ständig dabei, alle Möglichkeiten zu prüfen, erklärte Oracle-President Charles Phillips am Rande der europäische Hausmesse OpenWorld in London. Dem Unternehmen spielten dabei die Konsolidierung in der Branche sowie die einsetzende Markterholung in die Hände, so Phillips: "Eine Menge von Firmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und sind mit der Bitte an uns herangetreten, gekauft werden." Die große Auswahl ermögliche es Oracle dabei, die besten Angebote zu selektieren. Details wie die Namen der in Frage kommenden Firmen nannte Phillips nicht. Er verwies lediglich auf den CRM-Softwareanbieter Siebel Systems, den Oracle-Chef Larry Ellison bereits im Juni anlässlich einer Zeugenaussage im US-Kartellprozess als zweiten Wunschkandidaten

nach Peoplesoft genannt hatte.

Die Liste sei lang, sagte Phillips weiter. Oracle beschränke sich nicht auf Applikations- oder Serviceanbieter. Gleichzeitig kündigte der Topmanager an, das Übernahmeangebot für Peoplesoft immer wieder verlängern zu wollen. Man solle in die neu gesetzte Frist nicht zuviel hineininterpretieren, mahnte Phillips. Die Ausdehnung der Offerte sei mittlerweile für Oracle fast zur Routine geworden.

Der Datenbankriese hat Ende August sein feindliches Übernahmeangebot für Peoplesoft im Wert von 7,7 Milliarden Dollar verlängert, und zwar bis zum 10. September um Mitternacht. Dies ist die inzwischen zehnte Ausdehnung der Deadline seit Beginn der Übernahmekampagne im Juni 2003 (Computerwoche.de berichtete). Derweil steht eine Entscheidung in einem Verfahren der US-Regierung, die Oracles Übernahmeversuch aus kartellrechtlichen Gründen blockieren will, noch immer aus.

"Es gibt sicher einfachere Wege, ein Unternehmen zu übernehmen, und wir würden es vorziehen, dies im gegenseitigen Einvernehmen zu tun", erklärte Phillips. "Ausnahme ist jedoch, wenn eine Company ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Anlegern verletzt und wir sie wieder auf den richtigen Weg führen müssen." Obwohl Oracle bislang nur sechs Prozent der ausstehenden Peoplesoft-Aktien angedient werden, sagte der President, die Aktionäre wollten, dass etwas passiert. (mb)