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OpenVMS erreicht den Itanium

17.01.2005
OpenVMS, 1977 als Betriebssystem der VAX von DEC gestartet, läuft mit der neuen Version 8.2 auch auf Itanium-Servern. Morgen will HP auch neue Itanium-Maschinen vorstellen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hewlett-Packard (HP) wird heute die neue Version 8.2 des legendären DEC-Betriebssystems "OpenVMS" ankündigen, das erstmals auf Servern mit Itanium-Prozessoren von Intel läuft. Dies berichtet "Cnet". Außerdem bringe HP eine erneuerte Itanium-Server-Linie auf den Markt, die Konzernchefin Carleton "Carly" Fiorina morgen im Rahmen eines Webcasts vorstellen wolle.

Die Portierung von OpenVMS (das immer noch über eine treue Kundenbasis verfügt) auf Itanium ist für HP von großer Bedeutung. Die Alpha-Server, auf denen das Betriebssystem heute vornehmlich läuft, laufen aus und sollen durch Itanium-Maschinen abgelöst werden. HP hatte die 64-Bit-Architektur gemeinsam mit Intel in rund zehn Jahren Arbeit und einem geschätzten Aufwand von zehn Milliarden Dollar entwickelt. Bislang verkaufen sich die Chips aber noch nicht so gut wie erhofft.

Mit OpenVMS 8.2 gibt es nun ein viertes Betriebssystem, das neben HP-UX, Windows und Linux parallel auf einem Itanium-Server laufen kann. Die Itanium-Version wird viele der Funktionen der Alpha-Variante aufweisen, vor allem die berühmten Clustering-Fähigkeiten.

Terry Shannon, Autor des Brancheninformationsdienstes "Shannon knows High Performance Computing", erwartet, dass HP drei verschiedene Ausführungen von OpenVMS 8.2 herausbringt - "Foundation" für den Lowend-Einsatz und preisbewusste Kunden, "Enteprise" mit mehr Reliability-Funktionen, Management-Tools und Performance sowie "Mission Critical" mit Clustering-Support.

Mit OpenVMS sollen sich bis zu 16 Server clustern lassen - je acht Alpha- und Itanium-basierende, zitiert "Cnet" einen Insider. HP werde außerdem eine Lizenzierung pro Prozessor einführen, damit Kunden nur für die tatsächlich genutzte Leistung zahlen müssen statt wie bisher für die gesamte Kapazität ihres Servers. Support für das neue OpenVMS-Release soll es anfänglich für die kleineren Itanium-Server vom "rx1600" (zwei Prozessoren) bis zum "rx4640" (vier Wege) geben.

Neben dem Betriebssystem müssen Anwender natürlich auch ihre Applikationen portieren. HP hat dazu ein Tool entwickelt, das die Migration erleichtern soll auch wenn der Quellcode nicht mehr verfügbar ist. Bis Ende Februar sollen laut HP rund 250 OpenVMS-Anwendungen verfügbar sein, im Laufe des Jahres sollen es 800 werden. Für andere Itanium-Betriebssysteme gibt es bislang rund 3000 Applikationen - rund 1500 auf HP-UX sowie jeweils etwa 750 unter Windows und Linux.

OpenVMS erschien bereits im Jahr 1977 als "VMS"-Betriebssystem für die legendären "VAX"-Minicomputer der Digital Equipment Corporation, die zunächst zahlreiche Großrechner entthronten, später aber selbst Unix-Servern mit ihren leistungsfähigen RISC-Prozessoren zum Oper fielen. DEC setzte zwar ebenfalls auf die neue Technik, ging aber 1998 an Compaq, das wiederum 2002 (zusammen mit OpenVMS) von HP geschluckt wurde.

Bei der Übernahme Compaqs war OpenVMS "wahrscheinlich eines von den Dingen, die auf der Kippe standen, als sie entschieden, welche Produkte sie weiterentwickeln und welche sie einstellen, einfach weil OpenVMS eindeutig für Legacy-Systeme bestimmt ist", vermutet Illuminata-Analyst Gordon Haff. "Wenn Legacy-Administratoren mit einen Übergang konfrontiert sind, prüfen sie andere Alternativen."

HP muss zumindest zunächst zum Schluss gekommen sein, dass sich das Investment in die weitere Entwicklung von OpenVMS lohne - anders als mit der eigenen "HP-3000"-Linie. Im Jahr 2003 war HPs OpenVMS-Geschäft profitabel; ob es dies auch heute noch ist, wollte der Hersteller unter Berufung auf Börsenauflagen nicht sagen. (tc)