Eventbericht zum OpenStack Summit in Vancouver

OpenStack wird erwachsen

Michael Kienle ist Geschäftsführer der it-novum GmbH und gehört zu den führenden Köpfen in der Business Open Source-Welt. Er hat Open Source-Projekte wie openATTIC und openITCOCKPIT gegründet und den Gedanken von Business Open Source maßgeblich vorangetrieben. Bevor Michael Kienle zu it-novum kam, hatte er verschiedene Managementposten in der IT-Branche inne.

Ende Mai fand in Vancouver der OpenStack Summit statt, mit 6.000 Teilnehmern die größte Open Source-Veranstaltung weltweit. Der Autor war vor Ort.

Vor einigen Jahren wurden die Aktivitäten rund um OpenStack noch vielerorts als "Spielereien" abgetan. Heute nutzen Unternehmen wie PayPal, Comcast, Bloomberg, Yahoo, Cisco und Intel die Plattform und keiner stellt mehr den Reifegrad von OpenStack in Frage. In der OpenStack Foundation sind unter anderem Red Hat, IBM, SAP, HP, Huawei, Hitachi und AT&T Mitglied. Angesichts deren Marktmacht wird deutlich, wie stark das Thema auf der Tagesordnung großer Unternehmen derzeit steht und mit welcher Power dahinter Fortschritte in der Entwicklung und Etablierung der Lösung erreicht werden. Daneben gibt es mehrere hundert unterstützende Unternehmen, die unisono auf die Plattform setzen. OpenStack ist also erwachsen geworden. Das war auch deutlich auf dem OpenStack Summit in Vancouver zu spüren.

Mehr als 6.000 Besucher trafen sich in Vancouver zum Openstack Summit 2015.
Mehr als 6.000 Besucher trafen sich in Vancouver zum Openstack Summit 2015.
Foto: Michael Kienle, it-novum GmbH

Neuer Rekord bei Teilnehmerzahlen

Der Summit, der zu den größten IT-Events derzeit gehört, verzeichnete einen neuen Rekord bei den Teilnehmerzahlen: mehr als 6.000 Besucher kamen aus mehr als 100 Ländern für die fünftägige Konferenz nach Vancouver. Eine beeindruckende Zahl, die unterstreicht, dass das Thema nicht nur angekommen ist, sondern auch vielen Unternehmen unter den Nägeln brennt. Für aussagekräftiger halte ich jedoch eine andere Nummer: Mehr als 3,6 Millionen Zeilen Code hat die OpenStack-Community bereits entwickelt. Das zeigt, dass die von Eric S. Raymond beschriebene konsortiale, globale Open Source-basierte Software-Entwicklung in der Praxis funktioniert.

Und dann gibt es noch mehr als nackte Zahlen: Der "Spirit" des OpenStack Summits war auch in diesem Jahr wieder einzigartig. Die Begeisterung der OpenStack-Mitgestalter und der Wille, gemeinsam schnell voran zu kommen und Neues zu schaffen, waren überall zu spüren. Kein Vergleich zu den übrigen IT-Events, die sich häufig auf den Austausch saturierter Floskeln beschränken.

Die Architektur

Einer der Gründe, warum so viele Menschen auf den Summit strömten, liegt in der modulartigen Architektur des Systems. Konzeptionell ist OpenStack aufgeteilt in Compute, Storage und Network. Dazu werden einzelne Module entwickelt, die bekanntesten davon, zu denen insbesondere Nova, Cinder/Swift und Neutron gehören, kontinuierlich. Mit der Zeit sind immer weitere Module entstanden, die zusammen das Ökosystem von OpenStack bilden. Zu den derzeit spannendsten gehören Trove (Database-as-a-Service), Manila (verteiltes Filesystem), Magnum (Container), Ironic (Bare-Metal Hardware) oder Sahara (Data Analytics-as-a-Service).

Die Projekte sind vielversprechend: So ermöglicht Ironic erstmals das direkte Ausbringen eines Hypervisors auf nackter Hardware. Magnum kann Container-Services innerhalb von OpenStack abbilden, sodass die Koexistenz von Containern und virtuellen Maschinen, die bisher von OpenStack bereitgestellt wurden, für große Datacenter möglich wird.

Big Data und OpenStack

Spannend sind auch die Entwicklungen im Big Data/Hadoop-Umfeld: Während bisher die Distributionen nativ auf der Hardware ausgebracht werden mussten, widmet sich das Sahara-Projekt dem direkten Aufsetzen von Cloudera Hadoop auf OpenStack. Zusammen mit Ironic ist das dann sogar auf OpenStack/bare-metal möglich - was auf dem Summit durch das Bild des Elefanten auf OpenStack symbolisiert wurde. Ob die damit wahrscheinlich einhergehenden leichten Performance-Einbußen für Highend-Datenanalyse die Flexibilität aufwiegen, bleibt aber noch abzuwarten.

OpenStack DACH Day am 11. Juni

Der OpenStack Summit gehört mit Sicherheit zu den Highlight-Veranstaltungen des IT-Jahres. In Vancouver zeigte sich mal wieder auf beeindruckende Weise, welch gewaltiges Potenzial offene Lösungen und kooperative Entwicklungsmethoden haben. Erfreulich ist, dass auch im deutschsprachigen Raum die OpenStack-Community aktiv ist: der neu gegründete OpenStack DACH e.V. stellt eine Interessens- und Ideenaustauschplattform für OpenStack-Anwender in der DACH-Region dar. Am 11. Juni veranstaltet der Verein in Berlin den OpenStack DACH Day mit hochkarätigen Referenten und Beiträgen, darunter Mark Collier, Präsident der OpenStack Foundation. (bw)