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OpenSolaris lässt noch auf sich warten

05.11.2004
Solaris 10 wird zwar am 15. November angekündigt, aber nicht gleich erhältlich sein. Die Lizenzdetails für das quelloffene OpenSolaris müssen nämlich noch ausgearbeitet werden.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sun Microsystems wird am 15. November offiziell das neue Release 10 seines Betriebssystems Solaris ankündigen. Effektiv nennt der Hersteller aber wohl nur die Preise - auf die Software selbst und vor allem auch auf die Lizenzdetails der geplanten Open-Source-Variante "OpenSolaris" werden Interessenten wohl noch bis Ende des Jahres oder sogar Anfang 2005 warten müssen.

Sun will sicher gehen, dass das quelloffene Projekt keinen unausgegorenen Frühstart hinlegt. Die Details würden derzeit noch festgeklopft, erklärten COO Jonathan Schwarz und Glenn Weinberg, Vice President der Operating Systems Group. Man diskutiere mit Experten bei der Open Source Initiative (OSI) und anderswo über den besten Weg, mit der Open-Source-Community zu kooperieren.

Vom Erfolg oder Misserfolg hängt maßgeblich die Zukunft von Sun ab, das mit seiner proprietären RISC-Linie Ultrasparc trotz der angekündigten Kooperation mit Fujitsu zunehmend in eine Sackgasse zu geraten droht. Nicht umsonst bemüht sich der Hersteller seit einiger Zeit, Solaris auch auf Intel-basierenden Servern mit Prozessoren von Intel (allerdings nicht dem Itanium) und AMD populärer zu machen - dort ist aber mit Windows und Linux starke Konkurrenz gegeben.

Eric Raymond, President der OSI, hatte nach eigenen Angaben bislang nur inoffizielle Gespräche mit Sun. Er glaubt ohnehin nicht daran, dass OpenSolaris den gleichen Status erreichen wird wie Linux. "Am wahrscheinlichsten werden sie damit die Loyalität ihrer Bestandskunden steigern, ich glaube aber nicht dass sie neue Seats gewinnen. Hinsichtlich ihrer Aussichten, nennenswerte Marktanteile zu erreichen, bin ich ein wenig skeptisch. Allerdings bin ich froh, dass sie hier sind", so Raymond.

Bruce Perens, ein anderer bekannter Open-Source-Advokat, glaubt angesichts von Suns Historie ebenfalls nicht an einen Erfolg von OpenSolaris. Sun habe zwar den Code für OpenOffice.org gestiftet, aber nur eine "winzige" Entwicklergemeinde dazu aufgebaut. Außerdem sei OpenSolaris einfach zu spät dran, befindet Perens: "Hätten sie das vor fünf Jahren gemacht, würde heute vielleicht jeder OpenSolaris betreiben, aber jetzt ist Linux schon ein sehr fortgeschrittenes Betriebssystem."

Die Unterschiede zwischen der Sun- und Open-Source-Version von Solaris lassen sich laut Schwartz mit denen zwischen Red Hats Enterprise Linux und dem kostenlosen, aber nicht supporteten Fedora Core vergleichen - nur für die jeweils erstere gibt es Support und Zertifizierung. OpenSolaris enthält alle wichtigen Neuerungen von Solaris 10 wie einen deutlich schnelleren TCP/IP-Stack, das Optimierungs-Tools "Dtrace", "N1 Grid Containers" zur logischen Partitionierung sowie vorausschauende Selbstheilungs-Fähigkeiten. Nicht mitgeliefert werden laut Weinberg aber Komponenten, an denen Dritte das geistige Eigentum haben, etwa spezielle Gerätetreiber.

Und ein geplantes Feature reicht Sun vermutlich erst mit dem nächsten Quartalsupdate nach - die "Janus"-Technik, mit Hilfe derer Linux-Anwendungen (genauer Red-Hat-kompatible) unverändert auf Solaris x86 ablaufen sollen. Eine Garantie für die Binärkompatibilität könne Sun natürlich nicht übernehmen, werde aber alles daransetzen, so Weinberg weiter. (tc)