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Mehr Privatsphäre, bitte!

Openbook sucht peinliche Facebook-Updates

17.05.2010
Von pte pte
Eine Gruppe von Entwicklern hat mit "Openbook" eine Seite gestartet, die Nutzer zur Suche nach Peinlichkeiten auf Facebook ermuntert.
Openbook zeigt schlicht, was Facebook alles über seine Such-API zugänglich macht.
Openbook zeigt schlicht, was Facebook alles über seine Such-API zugänglich macht.

So wird deutlich, welch offenes Buch auch die profansten Beschimpfungen des Chefs oder intimsten Geheimnisse vieler Facebook-Nutzer sind. Dabei handelt um eine Aktion, die Probleme mit dem Schutz der Privatsphäre auf Facebook verdeutlichen soll.

Konkret wollen die Openbook-Macher aufzeigen, wie viele Informationen über seine Nutzer Facebook durch die am 21. April veröffentlichte Such-Programmierschnittstelle (API) für Jedermann zugänglich macht. Sie kritisieren, dass nicht klar genug gemacht wird, wie öffentlich auf Facebook gepostete Informationen letztendlich sind.

Keine Hexerei

Openbook ist seinen Entwicklern zufolge eine reine Client-Side App, die HTML, JavaScript sowie Cascading Style Sheets (CSS) nutzt und einfache Anfragen an die Facebook-API stellt. Umgesetzt habe man das in nur ein, zwei Stunden. Die Seite ermuntert User nun mit englischsprachigen Vorschlägen, nach Pikantem oder Peinlichem zu suchen, beispielsweise Postings über Besuche im Strip-Club oder wüste Chef-Beschimpfungen.

Freilich funktioniert auch die Suche nach entsprechenden deutschen Begriffen und liefert teils einiges an Treffern. Zusammen mit den öffentlichen Updates über Liebesleben, Arbeitsumfeld und mehr gibt Openbook auch gleich die Links zu den Profilen der jeweiligen User aus. Um letztere detaillierter einzusehen, ist aber wenigstens ein eigener Facebook-Account nötig.

Öffentliche Privatsphäre

Seitens Facebook wird auf Nachfrage von pressetext betont, dass Openbook nur solche Updates findet, die vom User für "Alle" sichtbar gemacht werden. Doch genau darin liegt letztendlich das Problem. Wie die Openbook-Macher betonen, verdeutliche Facebook seinen Nutzern nicht sehr gut, wie öffentlich ihre Informationen sind. Diese Kritik ist berechtigt. Denn bei Neuanmeldung wird einem Nutzer nicht wirklich klar gemacht wird, dass aufgrund der standardmäßigen Privatsphäre-Einstellungen beispielsweise alle Statusmeldungen und Fotos für "Alle", also die ganze Online-Welt, sichtbar sind.

Die Openbook-Entwickler verfolgen mit ihrem Angebot also das erklärte Ziel, Facebook dazu zu bringen, wieder für mehr Privatsphäre zu sorgen, sodass beispielsweise die Peinlichkeiten-Suche selbst nicht mehr funktioniert. Das soziale Netzwerk beharrt indes auf der Klarheit seiner Datenschutzrichtlinien, obwohl diese nach Zählung der "New York Times" auch ohne weiterführende Erklärungen mittlerweile einen größeren Wort-Umfang hat als die US-Verfassung.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Profil-Löschungen offenbar im Trend liegen und es auch Ansätze gibt, Facebooks Daten-Freigiebigkeit mithilfe eben dieser auszuhebeln. (pte)