Crowdfunding: Ubuntu Edge sucht 32 Millionen

Open-Source- und Linux-Rückblick für KW 30

Jürgen Donauer war als Systemadministrator zunächst für Informix und später IBM tätig. Dann verschlug es ihn in das Rechenzentrum von Media-Saturn. Dort kümmerte er sich mitunter um die Webserver, Datenbankanbindungen und den Online-Shop. Anschließend war er als Redakteur im Bereich Linux für TecChannel tätig. Derzeit arbeitet Jürgen Donauer als freier Autor für TECCHANNEL und COMPUTERWOCHE sowie als Privatdozent.
Per Crowdfunding und Indiegogo will Canonical 32 Millionen US-Dollar für das erste Ubuntu-Smartphone sammeln. Doch man tut sich schwer.

Die COMPUTERWOCHE zeigt die wichtigsten Informationen zu Open-Source und Linux in Kalenderwoche 30. Die Ubuntu-Derivate haben eine zweite Alpha-Version von 13.10 "Saucy Salamander" angekündigt.

ElsterOnline funktioniert nun auch ohne Java. Das KDE-Tablet Vivaldi wird an die Qualitätsprüfung ausgeliefert. Mit LibreOffice 4.1 und Apache OpenOffice 4.0 haben die beiden Schwergewichte der Open-Source-Bürosoftware-Sammlungen neue Varianten zur Verfügung gestellt.

Smartphone: Ubuntu Edge

Während die Bilder des Ubuntu Edge schon vorher im Internet aufgetaucht sind, konnte Canonical dennoch mit einer Überraschung aufwarten. 32 Millionen US-Dollar möchte man insgesamt für die Realisierung des Ubuntu-Smartphones sammeln.

Dabei soll sich das Smartphone über einen Docking-Station in einen vollwertigen PC verwandeln lassen. Nebenbei ist auch Android an Bord. Somit kann sich der Anwender via Dual-Boot entscheiden, welches Betriebssystem er starten möchte.

Die technischen Spezifikationen lassen aufhorchen, sind allerdings noch nicht ganz in Stein gemeißelt. Eine schnelle Quad-Core-CPU soll das Gerät antreiben. Der Arbeitsspeicher ist mit vier GByte angegeben und als Storage dienen 128 GByte. In Sachen Netzwerk gibt es unter anderem Dual-LTE.

Mit 32 Millionen US-Dollar würde Canonical einen Crowfunding-Rekord brechen. Die Kampagne fing auch furios an und die ersten drei Millionen waren schnell gesammelt. Daran war in erster Linie der Perk 5000 Geräte für 600 US-Dollar verantwortlich. Als Normalpreis wurden 830 US-Dollar angegeben. Danach ebbte die Begeisterung scheinbar etwas ab.

Canonical reagierte und brachte neue Perks ins Spiel. Je 1250 Geräte wurden für 625, 675, 725 und 775 US-Dollar eingestellt. Für 780 US-Dollar sollen 4500 Ubuntu Edge und für 790 3000 ausgegeben werden. Hier zeigte sich dann offenbar die Schmerzgrenze vieler Backer. Bis 725 US-Dollar waren die möglichen Geräte schnell vergriffen. Seitdem schleicht die Kampagne wieder dahin.

Es wird spannend bleiben, ob Canonical das notwendige Ziel erreich. Die Crowdfunding-Kampagne für das Ubuntu Edge endet am 21. August 2013. Sollte das Geld nicht zusammenkommen, wird das Projekt laut Canonical nicht realisiert.

In einem Update haben die Entwickler ein Video vorgestellt, das ein Nexus 4 mit der Ubuntu-Konvergenz zeigt. Das Ubuntu Edge wird wahrscheinlich auf eine ganz ähnliche Technologie setzen.

Zweite Alpha von xUbuntu 13.10

Die Haupdistribution gibt bekanntlich keine Alpha-Versionen mehr aus. Allerdings ist es den Abkömmlingen freigestellt, das zu tun. Die Derivate Kubuntu, Lubuntu, Ubuntu GNOME, UbuntuKylin und Xubuntu haben zweite Alpha-Versionen von 13.10 "Saucy Salamander" ausgegeben. Wer das zukünftige Ubuntu ausprobieren möchte, kann sich ein ISO-Abbild aus den Daily Images holen.

ElsterOnline ohne Java

Gerade bei einigen Linux-Distributionen war die Verwendung einer aktuellen JRE nicht immer trivial zu realisieren. Diesen Umstand hat das Finanzamt nun ausgemerzt und eine ElsterOnline-Version zur Verfügung gestellt, die einen modernen Browser voraussetzt.

Offiziell ist allerdings nur Ubuntu 13.04 mit Firefox ab Ausgabe 22 unterstützt. Mittels Konfigurations-Assistenten können Sie allerdings evaluieren, ob Ihre Linux-Version auch funktioniert. Das auf Ubuntu 12.10 basierende Linux Mint 14 funktioniert mit Firefox 22 ebenso. Es kommt hier wohl mehr auf den Browser und weniger auf das Betriebssystem an. JavaScript und Cookies müssen Anwender auf jeden Fall zulassen.

Vivaldi unterwegs zu QA

Aaron Seigo hat via Google Plus verlauten lassen, dass das KDE-Tablet Vivaldi unterwegs zur Qualitätsprüfung ist. Man solle sich aber mit Beifall noch zurückhalten. Bisher ist noch nichts zertifiziert (EC/FCC).

Das KDE-Tablet wird voraussichtlich um die 200 Euro kosten. Es bringt einen "Dual-Core 1 GHz ARM Cortex 9"-Prozessor, ein GByte RAM und acht GByte Flash-Speicher mit sich.

Apache OpenOffice 4.0 und LibreOffice 4.1

Was haben Apache OpenOffice 4.0 und LibreOffice 4.1 gemeinsam? Eine neue Seitenleiste. The Document Foundation hat diese Funktion von Apache OpenOffice übernommen. Allerdings ist sie bei LibreOffice als experimentell gekennzeichnet.

Die Entwickler aus beiden Lagern geben an, die Kompatibilität zu Microsoft-Office-Dokumenten verbessert zu haben. Erwähnenswert bezüglich LibreOffice ist, dass Anwender ab sofort Schriftarten einbetten können. Der Empfänger eines Dokuments muss also nicht mehr zwingend verwendete Schriftarten installiert haben. Das beugt ungewollte Effekte bei gewissen Layouts vor.

Beide Produkte bringen tonnenweise weitere Neuerungen mit sich. Sind finden die Änderungen in den jeweiligen Veröffentlichungs-Hinweisen: Apache OpenOffice 4.0, LibreOffice 4.1. Die Software-Sammlungen sind jeweils für Linux, Mac OS X und Windows zu haben. Sie finden die Download-Pakete auf den jeweiligen Projektseiten: LibreOffice, Apache OpenOffice. (ph)