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Open-Source-Gurus nennen SCO "Erpresser"

01.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Linux-Streit mit SCO haben sich nun der Linux-Initiator Linus Torvalds und Eben Moglen, Anwalt der FSF (Free Software Foundation) zu Wort gemeldet. Die Entwicklung eines Lizenzmodells, mit dem Linux-Anwender zur Kasse gebeten werden sollen (Computerwoche online berichtete), kommentierte Torvalds mit Verachtung, berichtet der US-News-Dienst "CNet".

Demnach hat der Linux-Entwickler das Unternehmen als "Erpresser" bezeichnet. Bei Linux handle es sich um eine Art kollektives Copyright, wobei sich seiner Meinung nach die Urheberrechte der einzelnen Entwickler deutlich vom Copyright des gesamten Produkts unterscheiden. Wenn zum Beispiel IBM der Linux-Community selbst entwickelten geschützten Code zur Verfügung stelle, habe SCO absolut keine Rechte daran, auch wenn einzelne Teile identisch zu Unix-Code seien.

Das US-Recht sieht tatsächlich eine kollektives Copyright vor, bestätigte John Ferrell, Urheberrechtsspezialist von der Anwaltskanzlei Carr & Ferrell. Es wird bei Werken wirksam, an deren Erstellung mehrere Autoren beteiligt sind, wie zum Beispiel Enzyklopädien, Lexika oder Zeitschriften.

SCO nimmt allerdings für sich in Anspruch, Verträge mit IBM geschlossen zu haben, nach denen Big Blue aus der Unix-Entwicklung abgeleitete Arbeiten nicht offen legen dürfe.

FSF-Anwalt Moglen, der an der Entwicklung des rechtlichen Rahmenwerks für Linux beteiligt war, hat ein Positionspapier verfasst, dass Torvalds neuer Arbeitgeber, das OSDL (Open Source Development Lab), veröffentlicht hat. Darin vertritt er unter anderem die in der Open-Source-Community vorherrschende Auffassung, SCO habe mit der Veröffentlichung einer eigenen Linux-Distribution den angeblich urheberrechtlich geschützten Unix-Code selbst freigegeben. Mit SCO-Linux hätten Anwender die Rechte erworben, das System zu kopieren, zu modifizieren und weiter zu vertreiben. Der Hersteller könne diese Rechte nun nicht in Abrede stellen.

Außerdem vergleicht Moglen SCOs Vorgehen mit einem Verleger, der die Leser seiner Zeitungen verklagen wolle. Um diese zu lesen, müsse man auch keine Copyright-Lizenz erwerben.

SCO bleibt unterdessen bei seiner Argumentation. Demnach sei Unix-Code eins zu eins in Linux kopiert worden. Unter anderem habe IBM vertragswidrig Erkenntnisse aus der Unix-Entwicklung an die Linux-Community weitergegeben. Auch für Unix erstellte Konzepte und Methoden würden in Linux verwendet. (lex)