Open Distributed Computing Structure mit offenen Standards Big Blue nennt Details des neuen Client-Server-Konzepts

04.03.1994

MUENCHEN (CW) - Die IBM gibt erste konkrete Details ueber ihr neues Rahmenwerk fuer Client- Server-Umgebungen preis. Anders als bei dem gescheiterten SAA-Konzept verwenden die Armonker bei der Open Distributed Computing Structure (ODCS) offene Standards.

Im Gegensatz zu frueheren Konzepten macht die IBM um ODCS kein grosses Marketing-Getoese. "Die Geschichte von AD/Cycle, Officevision und SAA liegt wie Leichengeruch ueber jeder Aussage, die nach allgemeinen Architekturen klingt", erklaerte Gartner- Group-Analyst Peter Schay diese Zurueckhaltung. Dabei unterscheide sich ODCS schon dadurch positiv von den Vorgaengerkonzepten, weil es nicht nur auf Marketing-Versprechen, sondern auf existierende Standards und Produkten beruhe (vgl. CW Nr. 49 vom 3. Dezember 1993, Seite 1: "IBM legt mit ODCS die eigene Strategie fuer Client- Server fest").

Anders als bei SAA ist auch, dass die IBM ihren Kunden die Migration in die Client-Server-Welt nicht erst schmackhaft machen muss. "So unsicher der Erfolg des neuen IBM-Konzepts sein mag", schreibt "Network World", "so offensichtlich ist der Wunsch der Anwender nach Umstiegshilfen." ODCS geht diese Anforderungen in den Bereichen Netzwerk, verteilte Systeme, System-Management und Anwendungsplattformen an.

Am meisten tut sich derzeit bei Netzwerken und verteilten Systemen, da sich IBM hier auf das von 1992 stammende Konzept Network-Blueprint stuetzen kann. So wird neben der eigenen Netzarchitektur SNA auch das weitverbreitete Protokoll TCP/IP eingesetzt. Ausserdem soll Suns Network File System (NFS) in ODCS aufgenommen werden.

Verteilte Datenverarbeitung soll durch einheitliche Verzeichnis- und Sicherheitsdienste erleichtert werden. Hier kommt, wie auch beim System-Management, das als Standard geltende Distributed Computing Environment (DCE) von der OSF zum Einsatz. Auch soll dem bisherigen Mangel an Werkzeugen fuer das System-Management abgeholfen werden.

Auf Anwendungsseite allerdings spielen wieder die hauseigenen Produkte die tragende Rolle. So empfiehlt die IBM den Anwendern als Datenbanksystem DB2 und als Transaktionsmonitor CICS. Letzteren soll es jedoch bald auf den Plattformen mehrerer Hersteller geben.