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Online-Zeitarbeitsfirmen erfreuen sich steigender Beliebtheit

18.06.2007
Vor allem für kleinere Firmen bieten IT-Recruiting-Marktplätze im Internet handfeste Vorteile.

Imme mehr kleine und mittlere Firmen in den USA beauftragen dedizierte Online-Zeitarbeitsanbieter, um ihre Projekte kurzfristig mit Mitarbeitern zu füllen. Davon erhoffen sie sich die gleichen Vorteile wie große Unternehmen von IT-Serviceverträgen: mehr Flexibilität, geringere Arbeitskosten und Leute mit Spezialwissen für besondere Projekte.

Ein Beispiel hierfür ist das auf Designermode spezialisierte Firma Betsey Johnson, die mit fast 50 Outlets in den USA vertreten ist. In der Vergangenheit hatte die Modekette lokale IT-Serviceanbieter mit der Wartung und Reparatur ihrer Desktop-PCs und Netzwerke beauftragt. Das war zum einen teuer, zum anderen hing die Qualität der Leistungen sehr stark von den jeweiligen Technikern ab.

IT-Leiter Gianfranco Fiorarancio entschied sich daher, die Online-Agentur Onforce einzuschalten, die auf die Vermittlung von Freelancern im technischen Bereich spezialisiert ist. Inzwischen ist die Personalbeschaffung via Onforce der Normalfall bei Betsey Johnson, weil sie handfeste Vorteile bietet, so Fiorarancio: Er könne sich schnell und unkompliziert über die Verfügbarkeit von Fachkräften in den einzelnen Regionen informieren und Skills sowie Referenzen von potenziellen Zeitarbeitskräften einsehen.

Auf diese Weise konnte Betsey Johnson die Fernwartungskosten um die Hälfte reduzieren. Inzwischen baut Fiorarancio.mit einigen Freelancern, die schon mehrere Male für ihn tätig waren, seine eigene Remote-IT-Belegschaft auf. "Diese Leute sind sehr wertvoll für uns geworden", so der IT-Leiter.

Die Nachfrage nach Diensten von Online-Börsen wie Onforce, steigt, da auch kleinere Unternehmen immer mehr auf Technik angewiesen sind, meint Gartner-Analystin Tiffani Bova. Auf diese seien die neuen Vermittlungsplattformen optimal zugeschnitten. Nach Ansicht von IDC-Analyst Gard Little bedrohen die neuen Anbieter damit traditionelle Zeitarbeitsfirmen und IT-Dienstleister, die in der Regel wesentlihc höhere Vermittlungsgebühren erheben. Vor allem aber ihre Fähigkeit, in Offshore-Regionen passendes Personal zu finden, macht die Online-Agenturen begehrt. So beweist zum Beispiel der kalifornische Online-Recruiter Odesk, dass auch kleine Unternehmen kurzfristig Offshore-Fachkräfte für einzelne Projekte finden können.

Auch Aaron Smith, der gemeinsam mit seiner Frau eine kleine Softwarefirma betreibt, ist bei Odesk fündig geworden: Sein über die Online-Plattform vermittelter Programmierer lebt in Russland und bekommt 15 Dollar pro Stunde. Ein US-amerikanischer Entwickler würde für die gleiche Arbeit 60 bis 120 Dollar die Stunde verlangen, weiß Smith. Ohne die Dienste von Odesk würde seine Software viel weniger Funktionen verfügen als sie heute besitzt, folgert der Firmenchef. "Durch die Verlagerung der Arbeit nach Russland können wir wettbewerbsfähig bleiben."

Viele Firmen, die Arbeit via Odesk anbieten, sind kleine Softwareentwicklungsfirmen, die in mehr als 60 Ländern vertreten sind. Die größte Konzentration findet sich dabei in Indien und Osteuropa. Die Höhe der Gehälter ist dabei abhängig von den jeweils benötigten Skills und der Art des Projekts sowie von der Region und den Referenzen ehemaliger Kunden. So verdient ein weltweit einsetzbarer Ajax-Programmierer laut Odesk zwischen 15 und 83 Dollar die Stunde. Ähnlich wie die Bewertungen auf der Auktionsplattform Ebay werden die einzelnen Fachkräfte von ihren Arbeitgebern offen einsehbar für jeden Interessenten beurteilt.

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt die Online-Vermittlung Top-Order, um Arbeitgeber und Offshore-Fachkräfte zusammenzubringen: Hier schreiben die Anwender ihre Projektaufgaben als Basis für einen Programmierwettbewerb unter Freelancern aus. Die jeweils besten Entwickler werden im Auftrag des Kunden tätig, während Top-Order die Arbeiten der anderen beurteilt. (sp)