Überzeugendes Quartal

Online-Videothek Netflix plant Vorstoß in Europa

23.01.2014
Netflix hat in den USA für viele Zuschauer das Fernsehen abgelöst. Filme und Serien lassen sich jederzeit anschauen und das ohne nervige Werbespots. Kommt die Online-Videothek bald auch nach Deutschland?

Die in den USA beliebte Online-Videothek Netflix will auch außerhalb ihres Heimatmarktes mehr Zuschauer erreichen. "Wir planen, uns später im Jahr merklich in Europa auszubreiten", erklärte das Unternehmen am Mittwoch (PDF-Link). Es gebe "international eine große Chance für Netflix".

Reed Hastings hatte Netflix schon 1997 gegründet und zunächst DVDs per Post verliehen.
Reed Hastings hatte Netflix schon 1997 gegründet und zunächst DVDs per Post verliehen.
Foto: Netflix

Immer wieder wird spekuliert, dass Netflix auch nach Deutschland kommen könnte. Auf Nachfrage eines Analysten in einer Telefonkonferenz hielt sich Firmenchef Reed Hastings allerdings bedeckt. "Es gibt eine Reihe von Spielern in allen wichtigen Märkten", sagte Hastings. "Und sie leisten alle gute Arbeit." Dennoch könne Netflix in den Ländern ein "sehr erfolgreiches Geschäft aufbauen".

In Deutschland gehören die Amazon-Tochter Lovefilm oder Watchever aus dem Vivendi-Konzern zu den größeren Spielern bei Filmen und Serien, die sich übers Internet anschauen lassen. Ein Monatsabo bei Lovefilm kostet 6,99 Euro und damit ähnlich viel wie Netflix umgerechnet in den USA verlangt.

Hastings und ein Partner hatten Netflix 1997 gegründet. In Zeiten langsamer Internetverbindungen spielte der Verleih von DVDs per Post eine große Rolle. Der wahre Durchbruch gelang aber mit dem sogenannten Streaming, bei dem Videoinhalte direkt aus dem Netz abgespielt werden. Netflix mischte damit den US-Fernsehmarkt auf und heimste zuletzt mit Eigenproduktionen Preise ein. Von Netflix produzierte Serien sind "House of Cards" über Intrigen in Washington oder "Orange is the New Black" über ein Frauengefängnis.

Netflix House of Cards Plakat
Netflix House of Cards Plakat
Foto: Netflix

Weltweit hatte die Online-Videothek zum Jahreswechsel mehr als 44 Millionen Mitglieder, gut 33 Millionen davon in den USA. Der Rest verteilt sich auf Kanada, Lateinamerika und die ersten europäischen Länder. Das sind im Einzelnen Großbritannien, Irland sowie Finnland, Dänemark, Schweden und Norwegen. Auf dem Heimatmarkt gehören der Bezahlsender HBO ("Game of Thrones") und das Streaming-Portal Hulu zu den größten Rivalen.

Im vergangenen Jahr konnte Netflix dank eines kräftigen Zustroms an Nutzern (Excel-Download) seinen Umsatz um 21 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) steigern. Der Gewinn war mit 112 Millionen Dollar fast sieben Mal so hoch wie im Vorjahr. Das Unternehmen erwartet auch im laufenden Quartal einen Zuwachs an Zuschauern. Die Aktie schoss am Donnerstag vorbörslich um 17 Prozent in die Höhe. (dpa/tc)