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Online-Trader ziehen die Bremse an

27.05.1999
Leise Töne in der Werbung

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) – Amerikanische Online-Trader haben offensichtlich Angst vor der eigenen Courage. Zielten ihre Werbekampagnen bislang in die Richtung "Get rich fast", stimmen Unternehmen wie E-Trade und Charles Schwab inzwischen leisere Töne an. Konnten sich Lkw-Fahrer in der Werbung früher noch eine Insel von ihren Spekulationsgewinnen leisten, fallen nun immer häufiger Begriffe wie "gesunder Menschenverstand" oder "Vorsicht" in den TV-Spots. Arthur Levitt, Chef der US-Börsenaufsicht, hatte unlängst die Werbung der Unternehmen dahingehend kritisiert, daß sie zu viel versprechen und zu wenig halten.

Auf Schadensbegrenzung bei Investitionen in Web-Companies setzt auch der US-Finanzdienstleister Salomon Smith Barney. Das Unternehmen gibt ab sofort einen 65 Millionen Dollar schweren Bond heraus, in dem die 20 größten Internet-Companies geführt werden. Der vermeintliche Clou: Das Brokerhaus garantiert Investoren, daß sie nicht mehr als zehn Prozent ihrer Einlagen verlieren – unabhängig davon, wie sich die Aktienkurse der im Bond geführten enthaltenen Firmen entwickeln. Doch die Furcht vor waghalsigen Spekulationen hat auch ihren Preis, denn der maximale Gewinn liegt bei 25 Prozent pro Jahr. Das ist zwar immer noch beachtlich verglichen mit der durchschnittlichen Verzinsung von Spareinlagen, angesichts der teilweise immensen Kursexplosion von Web-Firmen jedoch eher dürftig.