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Online-Casino Absolute Poker unter Betrugsverdacht

23.10.2007
Von pte pte
Der Online-Poker-Plattform Absolute Poker (AP) wird Betrügerei vorgeworfen.

Dem von einem Unternehmen in Costa Rica betriebenen Poker-Anbieter wird der Vorwurf gemacht, dass es auf der AP-Plattform zu Sicherheitslücken gekommen sei. Zudem wird behauptet, dass eine oder mehrere Personen, die direkt in den Betrugsfall verwickelt sind, eine direkte Verbindung zu Absolute Poker haben. Von Seiten des Unternehmens wird dies aber bestritten, es sei lediglich eine Sicherheitslücke im System ausgenutzt worden.

Vor einigen Tagen hatte ein Spieler im Rahmen eines Pokerturniers auf Absolute Poker eine Ungereimtheit beobachtet. Er verlangte vom Casino nachträglich die Herausgabe der Spielaufzeichnung. Ein Mitarbeiter sendete ihm daraufhin eine Datei, welche neben der gesamten Handhistorie des Turniers auch alle IP-Adressen und E-Mailadressen sowohl der Spieler als auch der Zuschauer enthielt. Bei der genauen Untersuchung dieser Datei wurde festgestellt, dass ein Zuschauer mit der Useraccountnummer 363 fast während des gesamten Turniers am Tisch des späteren Gewinners "potripper" gesessen hatte. Anhand der Dokumentation konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass sich das Spielverhalten von "potripper" in jenen Situationen des Spiels, wo er wechseln musste und nicht mehr mit dem Account 363 am selben Tisch saß, schlagartig verändert hatte.

Da bei Absolute Poker die Accountnummern chronologisch vergeben werden, ist die Nummer 363 ungewöhnlich niedrig. Hinter dem User 363 vermutete man deshalb einen Account, der noch in der Beta-Testphase der Online-Plattform eingerichtet worden war. Die damals für Mitarbeiter zu Testzwecken generierten Super-User-Accounts könnten auch in der Lage sein, verdeckte Karten im Spiel einzusehen. Tatsächlich konnte auch durch die in der Spieldokumentation erfassten IP-Adressen festgestellt werden, dass der Account 363 dem ehemaligen Präsidenten und Teilhaber von Absolute Poker Tom Scott gehört. Der User "potripper" ist auf AJ Green registriert, ebenfalls ein ehemaliger leitender Angestellter bei AP und ein guter Freund von Scott.

Der vorliegende Betrugsverdacht sei eher ein Einzelfall, erläutert Mikko Hyppönen, Security-Spezialist bei F-Secure, im Gespräch mit pressetext: "Wir beobachten zwar den verstärkten Gebrauch von Malware bei Online-Games", so der Sicherheitsexperte, jedoch beträfe dies zumeist nicht Spiele, bei denen um echtes Geld gespielt wird. "Vor allem in Online-Rollenspielen wird versucht an persönliche Userdaten wie Kreditkartennummern oder Login-Daten heranzukommen", berichtet Hyppönen. Auch Versuche der Geldwäsche würden sich nach seinen Beobachtungen in letzter Zeit mehren. "Solche Sicherheitslücken, wie sie im Fall von Absolute Poker offensichtlich vorliegen, wird es leider immer wieder geben", erläutert der Security-Fachmann die Problematik.

Schon in der Vergangenheit hatten Spieler bei Absolute Poker öfter über dubiose Beobachtungen auf der Online-Plattform berichtet. Doch es konnten sich keine Beweise finden lassen. Die Bekanntmachung des aktuellen Vorfalls führte in vielen Poker- und Glücksspielforen zu einer wahren Flut von Spekulationen. Mittlerweile sind auch weitere verdächtige Accounts aufgetaucht. Von Seiten des Poker-Anbieters bestreitet man die Vorwürfe und ließ am 12. Oktober lediglich verlautbaren, dass es nicht möglich sei, über Accounts von außerhalb Zugriff auf Daten der laufenden Spiele zu erhalten. (pte)