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Online-Broker haften für zu langsame Auftragsabwicklung

04.05.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Online-Broker sind im Falle einer zu langsam ausgeführten Order schadensersatzpflichtig. Zu diesem Urteil kam das Landgericht Nürnberg-Fürth im dem Klageverfahren eines Kunden, der wegen der verzögerten Orderausführung eines Brokers einen finanziellen Nachteil erlitten hatte.

Im dem Verfahren hatte ein Kunde für eine Aktienorder 12 028 Mark mehr zahlen müssen, weil der nicht näher bezeichnete Online-Broker den Auftrag nicht sofort, sondern erst nach einer halben Stunde ausgeführt hatte. In dieser Zeit hatte sich der Wert der Aktie aber bereits um 24 Mark erhöht. Der Kunde konnte, schreibt die Stiftung Warentest in einem Online-Bericht, seine Order mit der Bestätigungsnummer des Aktien-Handelshauses belegen.

Voraussetzung für die Schadenshaftung des Brokers ist allerdings, dass im Kleingedruckten der Geschäftsbeziehungen zwischen Kunde und Broker festgelegt ist, dass sich letzterer zur sekundenschnellen Auftragserledigung verpflichtet.

Anders liegt der Fall auch, wenn ein orderwilliger Anleger gar nicht erst zu seinem Broker durchkommt, weil die Leitungen zu dessen Call-Center überlastet sind. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) hat zwar, schreibt die Stiftung Warentest, einige Onlinebroker aufgefordert, technische Vorkehrungen zu treffen, um solche Überlastungen zu verhindern. Rechtliche Ansprüche für Kunden von Brokern erwachsen hieraus aber nicht.

Vor zwei Wochen war es bei verschiedenen Online-Aktienhändlern wegen des Kundenansturms zu erheblichen Problemen gekommen. Sowohl bei der HypoVereinsbank-Tochter Direkt Anlage Bank in München als auch bei der Deutschen Bank 24 (Frankfurt/Main) und dem Online-Broker Consors aus Nürnberg war der Zugang zeitweise gar nicht möglich oder nur unter erschwerten Bedingungen. Bei der ehemaligen Quelle-Bank Entrium Direct Bankers kam es am Montag, den 17. April 2000, zu einem unerwartet hohen Kundenandrang. Bis 14 Uhr gingen rund 30 000 Anrufe von Kunden ein, die ihre Aktienorder absetzen wollten. Auch in diesem Fall konnten nicht alle Kunden rechtzeitig bedient werden.