Online-Bewerbung: Was Arbeitgeber erwarten

31.03.2008 | von Ingrid  Weidner (Autor) 
freie Journalistin in München
Heute gehört die Bewerbung per E-Mail zum Standard. Große Unternehmen setzen voraus, dass man die formalen Regeln beherrscht.

"Bitte bewerben Sie sich über unser Online-Fomular" oder "Bitte schicken Sie uns Ihre Bewerbungsunterlagen elektronisch", heißt es in vielen Stellenangeboten. Die elektronische Bewerbung zählt inzwischen zum Standard. Konzerne wickeln das komplette Procedere vom Erstkontakt bis zur Einladung elektronisch ab, lediglich kleinere Firmen bevorzugen manchmal noch Bewerbungsmappen. Doch Online-Bewerbung ist nicht gleich Online-Bewerbung. Dass Emoticons tabu sind, hat sich herumgesprochen. Außerdem wissen die meisten Bewerber, dass sie sich flapsige Formulierungen besser für die Korrespondenz mit ihren Freunden aufsparen sollten.

Bei Audi geht es nur noch online

Marcus Fischer, Projektleiter E-Recruiting bei Audi in Ingolstadt, erläutert, worauf es ihm in einer Online-Bewerbung besonders ankommt. "Mittlerweile gehen in unserem Haus so gut wie keine Bewerbungsmappen per Post ein." Audi hat dieser Entwicklung etwas auf die Sprünge geholfen, indem das Unternehmen keine Postadressen für Bewerbungen veröffentlicht, sondern alle Interessenten auf den elektronischen Bewerbungsweg lotst. Dort wartet auf die Interessenten ein ausführlicher Bewerbungsbogen und viele Fragen. "Berufserfahrene Bewerber sollten sich etwa eine Stunde Zeit nehmen, um die Fragen zu beantworten", gibt der Personaler als Richtwert an.

Marcus Fischer, Audi: Für das Bewerbungsformular sollte man sich eine Stunde Zeit nehmen.
Marcus Fischer, Audi: Für das Bewerbungsformular sollte man sich eine Stunde Zeit nehmen.

Eine schriftliche Bewerbung per Papier dürfte mindestens genauso arbeitsintensiv sein, wenn Interessenten eine auf das Unternehmen und das Stellenangebot zugeschnittene Mappe erstellen. Einige Konzerne erarbeiten gerade einen neuen Online-Standard, der es Bewerbern künftig erlaubt, den einmal erstellten Bewerbungsbogen und/oder Lebenslauf in einen so genannten German Standard CV umzuwandeln. Mit diesem universellen Lebenslauf als XML-File können Interessierte für all jene Unternehmen verwenden, die den Standard unterstützen, und sparen sich auf diese Weise, immer wieder gleiche Daten wie Geburtsdatum, Adresse etc. einzutippen.

Das elektronische Verfahren bei Audi bringt Bewerbern einen klaren Vorteil: Die Unterlagen kommen schneller an, werden zügiger vom Recruitment-Team gelesen und wenn Profil und Bewerber passen, an die Fachabteilung mit einer Empfehlung weitergereicht. "Wir schauen uns wirklich jede Bewerbung an und nutzen keine Filter, um automatisch Absagen an Interessenten zu verschicken", so Fischer.

Im Großen und Ganzen zeigt sich Marcus Fischer zufrieden mit der Qualität der Bewerbungsunterlagen. "Die meisten haben die gängigen Bewerbungsratgeber gelesen und geben sich Mühe." Lediglich junge Bewerber ohne viel Berufserfahrung schreiben mitunter sehr flapsige E-Mails oder schicken Online-Bewerbungen, die nicht ganz der offiziellen Form genügen. Doch hier zeigen sich die Recruiter großzügig und setzen darauf, dass sich die Jugendlichen im Laufe ihres Berufslebens noch an den richtigen Ton gewöhnen.

Geburtsdatum weglassen?

  • Foto: Nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) können Bewerber darauf verzichten, ein Foto mitzuschicken. Doch begeistern können sich nur wenige Personaler für diese nüchterne Präsentation. "In Deutschland ist es üblich, ein Bewerbungsfoto zu schicken und viele Personalverantwortliche begrüßen es nach wie vor, wenn das Foto dabei ist", gibt Fischer unumwunden zu. Fotos lassen sich entweder in den Lebenslauf integrieren oder in manchen Online-Bewerbungssystemen auch gesondert hochladen. Es sollte selbstverständlich sein, dass es sich um ein vom Fotografen angefertigtes, professionelles Bewerbungsfoto handelt.

  • Persönliche Angaben: Nach dem AGG kann ebenfalls das Geburtsdatum weggelassen werden. Doch auch hiervon raten viele ab, denn auf den meisten Zeugnissen steht das Datum sowieso, lediglich die Suche danach kostet den Personalverantwortlichen unnötig Zeit (und manchmal auch Nerven). Eine seriös klingende E-Mail-Adresse erleichtert ebenfalls das Procedere (mehr dazu in den Tipps von Gerhard Winkler)

  • Anschreiben oder Motivationsschreiben: In vielen Online-Bewerbungsbögen wird das Anschreiben als Textfeld gefordert. Viele Bewerbungsbögen erlauben hier, ein pdf-Dokument einzufügen. Im Internet gibt es zahlreiche kostenlose Angebote, um ein Word- oder Textdokument in ein schreibgeschütztes und hübsches pdf-Dokument zu verwandeln. Dieser kleine Mehraufwand lohnt sich auf jeden Fall.

  • Umfang von hochgeladenen Zeugnissen und Dokumenten: Audi beispielsweise erlaubt seinen Bewerbern Anhänge von bis zu fünf MB. Trotz dieser großzügigen Möglichkeit sollten sich Bewerber genau überlegen, was wirklich zu einer schlüssigen Bewerbung für den Job dazu gehört. Der Kochkurs an der VHS sollte gut begründet sein, etwa indem der Bewerber seine soziale Kompetenz herausarbeitet oder damit belegen möchte, dass er eine Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär anstrebt. Meistens dürfte das Gegenüber in der Personalabteilung aber wenig Verständnis für solche Scherze mitbringen. Deshalb: Bleiben Sie beim wesentlichen anstatt sich zu verzetteln.

Mehr Tipps für die Online-Bewerbung lesen Sie hier.