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Online-Antiquar greift Amazon.com-Mails ab

23.11.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der kalifornische Online-Antiquar Alibris hat sich in einem Rechtsstreit mit der Generalstaatsanwaltschaft in Boston außergerichtlich geeinigt. Alibris zahlt 250 000 Dollar, um eine pikante Sache juristisch aus der Welt zu schaffen: Der Anbieter hatte im Jahr 1998 rund 4000 E-Mails des großen Konkurrenten Amazon.com an seine eigenen Kunden abgefangen (seinerzeit bot das Unternehmen beziehungsweise sein Vorgänger Interloc kostenlose E-Mail an). Staatsanwalt Donald Stern geht davon aus, daß Alibris auf diese Weise das Kaufverhalten seiner Kunden ausspionieren und sich auf diese Weise einen Wettbewerbsvorteil verschaffen wollte.

Der kleine Online-Buchhändler ist allerdings anderer Meinung. Er habe schon vorher gewußt, was seine Klienten kaufen. In Wahrheit, so Alibris, habe man Beschwerden von Kunden überprüfen wollen, die behaupteten, sie bekämen keine elektronische Post von Amazon.com. Um diesem Problem nachzugehen, habe man die Mails wohl oder übel abfangen müssen. Ein schlechtes Gewissen scheint Alibris aber doch zu haben - warum hätte die Company sonst eine Viertelmillion Dollar gezahlt?