Sanierung von Triumph-Adler bereitet Italienern arges Kopfzerbrechen, aber:\

Olivetti hat zum ersten Mal keine Geldsorgen

17.04.1987

MAILAND/NÜRNBERG (CW) - Die Nürnberger Triumph-Adler AG (TA) bleibt weiterhin Sorgenkind von Olivetti. Zwar gibt sich Präsident Carlo de Benedetti zuversichtlich, daß TA in zwei Jahren wieder schwarze Zahlen schreibt, doch "gestalte sich die Sanierung schwieriger als erwartet". Dafür aber sei die Situation von Olivetti um so erfreulicher.

In Mailand erklärte de Benedetti, daß die Aufbauarbeiten der vor einem Jahr Erworbenen Triumph-Adler vor allem durch die deutschen Gewerkschaften erschwert würden. Die deutschen Tarifpartner, so der Olivetti-Boß, zeigten eine Starrheit, die sogar jene der italienischen Gewerkschaften vor einigen Jahren übertreffe. Dennoch könne das Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre den Ausgleich schaffen.

Den Optimismus de Benedettis wird der Nürnberger Büromaschinenhersteller indes kaum teilen können. Der TA-Vorstandsvorsitzende Francesco Tatò, der bereits bei der Sanierung von Olivetti wesentlich mitgewirkt hatte, zieht nun auch in Nürnberg die Zügel immer straffer. Die Situation von Triumph-Adler, so Tatò, sei sehr viel ernster, als Olivetti beim Kauf in letzten Jahr erwartet habe. Derzeit soll jeder fünfte Arbeitsplatz in dem Unternehmen gefährdet sein. Dies bedeutet, daß rund 1800 von weltweit 90 000 Arbeitnehmern um ihren Arbeitsplatz bei Triumph Adler fürchten müssen. Darüber hinaus, so Tatò weiter, ließe sich schon in absehbarer Zeit die Produktion durch die technische Entwicklung ohne Neueinstellungen verdoppeln. Für TA hieße dies, daß an alle 20 Prozent der Belegschaft ihren Job verlieren. Dennoch will man laut Tatò versuchen, die Werke in Nürnberg, Schwandorf, Frankfurt und Berlin zu erhalten.

Sehr viel besser ergeht es da schon der Muttergesellschaft Olivetti. Zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens ist Olivetti laut Carlo de Benedetti schuldenfrei. Im Geschäftsjahr 1986 stieg der Olivetti-Umsatz einschließlich der TA-Ergebnisse und trotz des starken Dollarverfalls um 19 Prozent auf 7300 Milliarden Lire ( 0,2 Milliarden Mark). Der Gewinn pro Aktie, so de Benedetti habe sich von 1023 auf 1100 Lire erhöht, womit der Überschuß nahezu sieben Prozent des Umsatzes ausmache. Dieses Ergebnis, betonte der Olivetti-Chef, sei um so bemerkenswerter, da der TA-Umsatzanteil keinen Ertrag abgeworfen habe. Andererseits weise Olivetti 1986 auch keinen Verlust aus der deutschen Beteiligung aus, da der Sanierungsaufwand bereits vorweg kalkuliert worden sei.

Nach Meinung von de Benedetti ist Olivetti durch den Kauf von Triumph-Adler die Nummer eins am Weltmarkt für Schreibmaschinen geworden. Bei Computern belege das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14 Prozent in Europa hinter IBM den zweiten Rang. In Italien hingegen sei man mit 35 Prozent Marktanteil inzwischen an Big Blue vorbeigezogen. Im Juni kündigte der Olivetti-Präsident an, werde man eine neue Computerlinie vorstellen und "damit eher am Markt sein als IBM".