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Olivetti durchkreuzt Telekom-Pläne

21.05.1999
Feindliche Übernahme von Telecom Italia erfolgreich

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Olivetti hat den Übernahmekampf um den Telefon-Riesen Telecom Italia gewonnen. Die Mailänder Börse teilte in der Nacht zum 22. Mai mit, mehr als 51 Prozent der Telecom-Italia-Aktionäre hätten das feindliche Übernahmeangebot von Olivetti angenommen. Der italienische IT-Konzern hatte 11,50 Euro je Aktie geboten und die Telecom Italia somit mit knapp 120 Milliarden Mark bewertet. Der Verwaltungsrat von Olivetti entschied am Samstag, die angebotenen Telecom-Italia-Aktien zu kaufen. Der frühere Schreibmaschinenhersteller muß für die ihm angebotenen fast 2,7 Milliarden Anteilscheine des viertgrößten TK-Konzerns Europas umgerechnet rund 60 Milliarden Mark zahlen.

Damit dürfte die angestrebte Fusion von Deutscher Telekom und Telecom Italia in der geplanten Form gescheitert sein. Telekom-Chef Ron Sommer erklärte, er werde über die neue Situation mit dem Management von Telecom Italia beraten und dann entscheiden. Er erklärte gegenüber der "Welt am Sonntag": "Das Management der Deutschen Telekom und der Telecom Italia werden die neue Situation eingehend analysieren und daraus die richtigen Konsequenzen ziehen." Er werde die internationale Strategie der Telekom fortsetzen. Der Bonner Carrier steht aber vorerst ohne großen internationalen Partner da. Die France Télécom hatte sich verärgert über die geplante Fusion mit den Italienern geäußert und will ihren bisherigen Partner auf mehrere Milliarden Mark Schadenersatz verklagen.

Als Gewinner der Entscheidung darf der Düsseldorfer Mannesmann-Konzern gelten. Er wird vermutlich bei der Übernahme von Telecom Italia Olivettis Anteile an der italienischen Festnetzgesellschaft Infostrada und dem Mobilfunkbetreiber Omnitel für 15 Milliarden Mark übernehmen. Mit dem Erlös will Olivetti einen Teil der Telecom-Italia-Übernahme finanzieren.