Web

I/O Keynote Tag 1

"OK Google" - und die Suche hört aufs Wort

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Google hat in der ersten, dreistündigen Keynote zu seiner Entwicklermesse I/O 2013 zahlreiche Neuheiten angekündigt.
Zum Schluss der ersten I/O-Keynote hatte CEO Larry Page einen bewegenden Auftritt.
Zum Schluss der ersten I/O-Keynote hatte CEO Larry Page einen bewegenden Auftritt.

Zur Google I/O im Moscone Center von San Francisco sind vom 15. bis zum 17. Mai 6000 Entwickler vor Ort - und das hat sich gelohnt, denn jeder von ihnen bekommt ein Highend-Notebook "Chromebook Pixel" als Giveaway. Parallel veranstaltet der Internet-Konzern 460 so genannte I/O Extended Sites in 90 Ländern und überträgt die I/O via Livestream. Mit der diesjährigen Entwickler-Konferenz will Google nach eigenen Angaben den Trend hin zu einer Welt unterstreichen, in der Nutzer von immer mehr verschiedenen Geräten und Bildschirmgrößen umgeben sind.

Google setzt für seine Entwickler auf die beiden offenen Plattformen Android und Chrome. Android begann - bevor es von Google zugekauft wurde - als kleines Projekt, mittlerweile sind nach Angaben von Google 900 Millionen Endgeräte aktiviert und es wurden schon über 48 Milliarden Apps über Googles eigenen Play Store installiert.

Der Browser Chrome komme auf 750 Millionen aktive Nutzer und sei damit der beliebteste Browser weltweit, so Google. Die auf dem Desktop bereits erzielten Verbesserungen in den Bereichen Geschwindigkeit, Einfachheit und Sicherheit will der Konzern verstärkt auch auf Mobilgeräte übertragen. Dazu hat das Unternehmen unter anderem den neuen Video-Codec VP9 und die requestAutocomplete-API für schnellere mobile Zahlungen veröffentlicht.

Außerdem zeigte Google neue mobile Chrome-Experimente wie A Journey Through Middle Earth ("Eine Reise durch Mittelerde") und Racer. Für Android-Developer gibt es eine Reihe neuer Tools - unter anderem die neue IDE "Android Studio" auf Basis der Community Edition von "IntelliJ" -, die bei der Programmierung und Vermarktung neuer Apps helfen sollen. So sind nun zum Beispiel Beta-Tests von Apps mit Staged Rollouts direkt aus der Developer-Konsole möglich.

Das neue Samsung-Flaggschiff-Smartphone "Galaxy S4" bringt Google als Entwickler-Gerät ohne Samsungs Software-Schnickschnack, mit "Android pur" à la Nexus, ohne SIM-Lock und Bootloader-unlocked heraus. In den USA wird man diese Spezialversion für knapp 650 Dollar über den Play Store kaufen können (beim Preis hörten die Zuschauer prompt zu applaudieren auf).

Weitere Neuerungen, die Google in der ersten I/O-Keynote angekündigt hat, sind:

  • Android und Play: "Google Play Music All Access" verbindet einen Musik-Store, ein "virtuelles Schließfach" sowie ein unbegrenztes Monatsabo in einem Paket (US-Preis knapp zehn Dollar im Monat; weitere Länder folgen). Alles, was man in "All Access" hört, lässt sich in eine "Radiostation" verwandeln - zwischen Zurücklehnen und totaler Interaktivität ist praktisch alles möglich. Das "Radio ohne Regeln" funktioniert auf dem Smartphone, Tablet und PC. Ebenfalls neu: Google-Play-Spieledienste mit Echtzeit-Multiplayer und Bestenlisten. Der Play Store wird außerdem in Sachen UI/UX besser an unterschiedliche Endgeräte angepasst; zudem gibt es in den USA eine Spezialversion für den Bildungssektor.

  • Google+: Der Social Layer bekommt heute ein komplett neues, auf dem Desktop mehrspaltiges Stream-Design. Über "Related Hashtags" (sogar automatisiert durch Bildanalyse) werden zusätzliche, ergänzende Inhalte erschlossen. Für "Hangout"-Videochats gibt es nun eine eigene App mit optional epischer History-Funktion für "lang andauernde Unterhaltungen", die im Browser sowie auf Android und iOS läuft. Außerdem bietet Google nun automatisierte Verwaltung und Optimierung ("Auto Awesome") von Fotos. "Unsere Data Center sind Ihre neue Dunkelkammer", erklärte der für G+ zuständige Manager Vic Gundotra.

  • Search: Die Google-Suche bietet demnächst "gesprochene Antworten" für Laptops und Computer mit Chrome. Dabei kann man Google mit "OK Google" (wohlgemerkt ohne Klick auf einen Mikrofon-Button!) eine Frage in natürlicher Sprache stellen und erhält eine gesprochene Antwort - die "Conversational Search" gab es zuvor nur auf Smartphones. Es kommen flankierend auch weitere Funktionen ("Cards") für den digitalen Assistenten "Google Now", zum Beispiel Erinnerungen abhängig von Zeit, Ort und Personen ("Reminders"). Dagegen sieht Apples "Siri" nun ganz schön alt aus.

  • Maps: Googles Kartendienst bekommt ein neues, moderneres Design und viele neue Funktionen beispielweise für die mobile Navigation - teils keine wirkliche Überraschung mehr, nachdem im Vorfeld der I/O bereits verschiedene Screenshots durchgesickert waren. Die mobile Version wird "diesen Sommer" für Android und iOS erscheinen und bekommt auch eine Tablet-optimierte Oberfläche. Für die Zukunft von Desktop-Maps gegen Ende dieses Jahres verspricht Google personalisierte und adaptive Karten, die selbst zum User Interface werden - auch mit 3D-Bildern aus Google Earth (ohne jedes Plugin); ergänzt um Nutzerfotos für ein "User Generated Street View". Unter maps.google.com/preview kann man schon jetzt eine Einladung erbitten.

Zum Schluss gehörte die Keynote-Bühne CEO Larry Page, der mit seiner brüchigen Stimme Googles Plattform-Bekenntnis wiederholte und seinen Glauben an eine bessere Zukunft voller Möglichkeiten dank Technik bekräftigte, bevor er anschließend sogar ganz offen und ehrlich Fragen aus dem Publikum beantwortete.

Man darf gespannt sein, was Google im Laufe der I/O 2013 noch anzukündigen hat.