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Ohrfeige für WCM-Angebot der IBM

30.10.2007
IBMs Angebot für das Web Content Management (WCM) ist nach Einschätzung der Marktforscher von CMS Watch deutlich hinter das der Konkurrenten zurückgefallen. Die Analysten halten es für nicht ausgeschlossen, dass Big Blue ein Spezialunternehmen zukaufen wird, um den Rückstand wett zu machen.

Nach Einschätzung von CMS Watch stagniert IBMs WCM-Angebot, während die Konkurrenten ihre Produkte für das Web-Publishing konsequent ausbauen. In dem Anfang des Monats erschienenen "Web CMS Report" haben die Analysten 30 führende WCM-Lösungen verglichen und Hunderte von Web-Managern befragt. Das Ergebnis: IBMs Rivalen waren im WCM-Bereich wesentlich fleißiger.

Microsoft habe seine WCM-Lösungen mit "Office SharePoint 2007" von Grund auf neu entwickelt. EMC sei dabei, massiv in die WCM-Produkte des übernommenen Dokumenten-Mangement-Spezialisten Documentum zu investieren. Oracle habe sich mit dem Kauf von Stellent, einem Anbieter von Enterprise-Content-Management-Produkten mit starkem WCM-Fokus, gut positioniert. Keines der genannten Produkte ist laut CMS Watch ohne Fehler, aber jedes habe sich in letzter Zeit deutlich verbessert.

Dagegen sei IBMs Produkt Workplace Web Content Management (WWCM) um eine ganze Generation zurückgeblieben. Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Hersteller einen WCM-Spezialisten kaufen werde, um wieder den Anschluss zu finden. CMS Watch warnt, dass auf IBM-Kunden ein ähnlich schmerzhafter Produktwechsel zukommen könnte, wie ihn die Microsoft-Klientel mit dem Wechsel vom Microsoft Content Management Server (MCMS) auf SharePoint erlebt habe.

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Immerhin konzedieren die Marktforscher auch dem IBM-Angebot ein paar Stärken. So könne das WWCM-Produkt mit dem WebSphere Portal Server integriert und in einer Vielzahl von Sprachen lokalisiert werden. Unter dem Strich falle aber das Urteil der befragten IBM-Kunden schlecht aus. Nachteilig sei etwa, dass WWCM in zwei verschiedenen Versionen erhältlich sei - als Java-Edition in Zusammenhang mit WebSphere und als Lotus-Ausführung in Verbindung mit Domino. Für Kunden sei das verwirrend, außerdem werde Entwicklungsenergie verschwendet.

Im Vergleich zu konkurrierenden Angeboten sei die IBM-Lösung außerdem arm an Features, insbesondere, wenn das Ziel eines weltweiten Rollout verfolgt werde. Viele große Konzerne legten aber wert darauf, ihre Web-Publishing-Aktivitäten in einem globalen Kontext zu koordinieren. Das IBM-Angebot leide außerdem schon lange unter einer Reihe von Bugs, wenngleich viele davon in den jüngsten Versionen wenigstens zum Teil ausgeräumt worden seien. Außerdem sei die Kunden-Community im Vergleich zu denen der Konkurrenten eher passiv. Darüber hinaus gebe es weniger öffentlich zugängliche Detailinformationen als zu anderen Server-Produkten von Big Blue. Und schließlich, so CMS Watch, fehle es an erfahrenen Experten, die WWCM-Kunden als Berater oder Integrationsdienstleister zur Verfügung stünden.

Trotz aller Schwächen empfiehlt CMS-Watch-Gründer Tony Byrne aktiven Kuden nicht, die Software umgehend auszumustern. IBM-Kunden, die eine WCM-Lösung suchen, sollten sich seiner Meinung nach aber unbedingt mit den Angeboten der Konkurrenz beschäftigen. (hv)