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Ohrfeige für die ERP-Anbieter

13.05.2004

Unternehmen, die ihre Finanzverwaltung auf Vordermann bringen möchten, sollten sich dabei nicht auf die Qualität eines ERP-Pakets (Enterprise Resource Planning) verlassen. Eine neue Studie der US-amerikanischen Hackett Group ergab, dass die Wahl der Software für den Erfolg von Buchhaltung und Rechnungswesen irrelevant ist.

Für die Softwareindustrie sind die Ergebnisse der in Kürze erscheinenden Studie ein Schlag ins Gesicht: Die Hackett Group hat die Finanzbereiche von 150 großen Unternehmen untersucht und verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass in den 15 am besten abschneidenden Firmen sechs verschiedene ERP-Pakete zum Einsatz kommen. Sie stammen von Baan, Peoplesoft und deren Tochter J.D. Edwards, Lawson Software, Oracle und SAP.

"96 Prozent der Unternehmen, die eines der drei meistverbreiteten Finanzsoftwarepakete (SAP, Oracle und SAP) einsetzen, finden sich nicht unter den Bestplatzierten", sagte Greg Pleasants, der sich bei Hackett mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis von ERP-Software beschäftigt. Um die Untersuchungsergebnisse richtig einschätzen zu können, muss man allerdings wissen, dass die Unternehmensberatung unter anderem davon lebt, Anwendern Best-Practice-Beratungen für die Einführung von Finanzsoftware zu verkaufen.

Hackett rät Unternehmen davon ab, Problemen in der Finanzabteilung mit neuer Software oder aktuelleren Releases eines vorhandenen Pakets beikommen zu wollen. Auch solle man nicht zu viel Zeit auf einen Detailvergleich der gängigen Softwarepakete verwenden. Dort wo Finanzsoftware ähnliche Module biete, sei auch die Funktionalität vergleichbar. Unterschiede gebe es nur, wenn einzelne Funktionen komplett fehlten, ansonsten handele es sich um Commodity-Produkte.

Im Rahmen seiner Untersuchung hat das Unternehmen, eine Tochter von Answerthink Inc., hunderte von Antworten bezüglich des Einsatzes von ERP-Produkten miteinander verglichen. Die Repliken wurden heruntergebrochen auf organisatorische, funktionale und technische Prozesse. Beispielsweise stellte Hackett elektronische Bestellungen den gesamten eingangenen Orders gegenüber, schaute sich die Buchungsdetails an und verglich den Administrationsaufwand.

Die Berater fragten auch, wie viele Mitarbeiter sich ganztätig der Buchhaltung widmen und stellte deren Löhne als Prozentsatz vom Umsatz dar. Fehler in den Hauptbuch-Einträgen wurden ebenso untersucht wie die Verwendung von Spreadsheets für die Budgetierung und die Möglichkeiten des Einsatzes von Analysesoftware. Immer wieder kamen die Benchmarker zu dem Ergebnis, dass nicht die Software, sondern die intelligente Abwicklung im Finanz- und Rechnungswesen das A und O ist.

Große Fehler tauchen laut Hackett unter anderem bei der Rechnungsstellung auf, aber auch die Zahlung mit Unternehmens-Kreditkarten führt den Beratern zufolge immer wieder zu Problemen. Die Studie, die nächste Woche unter dem Titel "Financial Application Choice Is Irrelevant In Achieving World-Class Performance" erscheint, gibt Finanzchefs eine Reihe von Empfehlungen, wie sich Finanzprozesse sauber organisieren und Fehler vermeiden lassen. (hv)