Frauenpower

Ohne Netzwerke geht es nicht

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Netzwerken, sich gegenseitig fördern und Aufträge vermitteln ist selbst unter erfolgreichen Frauen immer noch verpönt. Warum eigentlich?

Als Antonella Lorenz vor mehr als 20 Jahren für ihren damaligen Arbeitgeber den Umstieg von Großrechnern auf Personalcomputer managte, sich mit Datenbanken beschäftigte und sich um alles kümmerte, was mit EDV zu tun hatte, dachte die studierte Philosophin noch nicht daran, dass sie bald eine eigene Softwarefirma leiten sollte. "Damals stand die IT noch am Anfang", erinnert sie sich. Doch nach der Geburt ihrer Tochter setzte sie ihr damaliger Chef unter Druck. Eine Frau mit Kind könne nicht arbeiten und Lorenz solle sich mit der Hausfrauenrolle arrangieren. "Es prallten zwei Welten aufeinander", erinnert sich Lorenz. "Ich habe gekündigt und zusammen mit meinem Mann eine eigene Firma gegründet." Seit 1991 lenkt Antonella Lorenz als Geschäftsführerin die Geschicke von Lorenz-Soft aus Freising bei München. Das Softwarehaus beschäftigt 20 Mitarbeiter und entwickelt individuelle Lösungen für Großunternehmen.

Antonella Lorenz, Lorenz-Soft: "Mir ist es wichtig, eine natürliche Autorität auszustrahlen. Oft hinterfrage ich in höflichem Ton Aussagen und merke, dass manche Männer nur sehr oberflächliches Wissen mitbringen."
Antonella Lorenz, Lorenz-Soft: "Mir ist es wichtig, eine natürliche Autorität auszustrahlen. Oft hinterfrage ich in höflichem Ton Aussagen und merke, dass manche Männer nur sehr oberflächliches Wissen mitbringen."
Foto: Privat

"Hindernisse gab es für mich als Frau in der IT-Branche nicht." Doch die Unternehmerin beobachtet immer wieder, wie unterschiedlich Männer und Frauen wahrgenommen werden. "Bei einer Frau sind Kompetenz und Wissen immer erwähnenswert, bei einem Mann werden sie vorausgesetzt." Lorenz empfiehlt, Machtspielen nicht grundsätzlich aus dem Weg zu gehen, sondern genau zu überlegen, wer einem nützen oder schaden könne, wer einen als Mentor unterstützt. "Auch als Dienstleister bin ich gut vernetzt."

Frauen müssen Vorbilder für Frauen sein

Seit einiger Zeit engagiert sich Lorenz im Arbeitskreis "Frauen in der IT" des Münchner Netzwerks MUK IT. "Anfangs war ich skeptisch, ob mir das etwas bringt." Doch bald kristallisierten sich Themen heraus, die die Unternehmerin überzeugten. "Wir wollen mehr Präsenz zeigen, als Vorbilder für junge Frauen auftreten und sie für die IT-Branche begeistern", erläutert Lorenz. Außerdem möchten die Managerinnen neue Geschäftskontakte knüpfen. "Männer akquirieren ganz selbstverständlich über ihre Netzwerke Aufträge, Frauen sind da noch zu zurückhaltend."

Ein gut aufgebautes Netzwerk bringt oft viele Vorteile für alle Beteiligten.
Ein gut aufgebautes Netzwerk bringt oft viele Vorteile für alle Beteiligten.
Foto: koszivu - Fotolia.com

Madeleine Braunwarth bringt mehr als 17 Jahre Berufs- und Führungserfahrung in unterschiedlichen Softwareunternehmen mit, allein zehn Jahre arbeitete sie für Microsoft. "Die IT-Branche war sehr männerdominiert", erinnert sie sich. Da kam es vor, dass Jobs nicht ausgeschrieben, sondern innerhalb der Männernetzwerke zugespielt wurden. "Vor sechs oder sieben Jahren begann ein Wandel, von da an gelang es mehr Frauen, Führungsaufgaben zu übernehmen." Vor zwei Jahren wechselte die Managerin den Schreibtisch und arbeitet heute als Personalberaterin mit dem Schwerpunkt ITK für Schickler in Hamburg.

Obwohl Frauen als kommunikativ gelten, knüpfen sie ihre Netzwerke innerhalb des Unternehmens immer noch zu zögerlich, beobachtet Braunwarth. "Viele halten es für unwichtig, sich mit anderen Frauen auszutauschen, doch genau diese Netzwerke brauchen sie, um weiterzukommen." Auch sie musste lernen, sich durchzusetzen. "Ich bin härter geworden", gibt sie zu und ergänzt: "Aber ich habe auch gelernt, über gute Arbeit zu sprechen." Doch die Personalberaterin empfiehlt Managerinnen, nicht zu viele typisch männliche Eigenschaften anzunehmen. "Es ist wichtig, sich selbst treu zu bleiben."

Obwohl Frauen als kommunikativ gelten, knüpfen sie ihre Netzwerke innerhalb des Unternehmens immer noch zu zögerlich, beobachtet Madeleine Braunwarth von Schickler.
Obwohl Frauen als kommunikativ gelten, knüpfen sie ihre Netzwerke innerhalb des Unternehmens immer noch zu zögerlich, beobachtet Madeleine Braunwarth von Schickler.
Foto: Privat

Kunden laden Antonella Lorenz zu internen Projektbesprechungen ein, manchmal auch, damit Sitzungen nicht eskalieren, vermutet die Geschäftsführerin. "Mir ist es wichtig, eine natürliche Autorität auszustrahlen. Oft hinterfrage ich in höflichem Ton Aussagen und merke, dass manche Männer nur sehr oberflächliches Wissen mitbringen. Demaskierung ist eine gute Taktik", meint Lorenz.

Attraktive Menschen haben es zwar leichter im Leben, doch in der Berufswelt gelten eigene Regeln. "Frauen werden immer noch stärker über ihr Aussehen beurteilt und nicht ausschließlich über ihre Leistung", weiß Beraterin Braunwarth. Sehr attraktive Bewerberinnen hätten es zwar bei Männern tendenziell leichter, den ausgeschriebenen Job zu bekommen. Sitzt ihnen aber eine Frau gegenüber, könnten die Chancen sinken. "Oft sprechen gerade Kolleginnen sehr attraktiven Frauen die Kompetenz ab", beobachtet Braunwarth.

Braunwarth empfiehlt Bewerberinnen, in Vorstellungsgesprächen weniger selbstkritisch aufzutreten und stattdessen ihre beruflichen Erfolge darzustellen. Die Personalberaterin rät Frauen, die ihren Karriereweg planen, auf die Firmenkultur zu achten. Ein großer Konzern biete nicht generell bessere Chancen als ein mittelständisches Unternehmen. "Die Führungskraft ist entscheidend."

Netzwerke für IT-Managerinnen

Bayern: MUK IT

2002 gründeten zwölf IT-Unternehmer in der Metropolregion München die Interessengruppe MUK IT. In Diskussionsrunden, Roundtable und Arbeitskreisen treffen sich die inzwischen mehr als 600 IT-Unternehmer regelmäßig. Organisiert sind sie ohne feste Vereinsstrukturen. Innerhalb dieses Netzwerks schlossen sich im Dezember 2012 IT-Unternehmerinnen zum Arbeitskreis Frauen in der IT zusammen.

Deutschland: CIO (f) - Frauen im IT-Management

Das 2011 von der IT-Beraterin Simone Funke gegründete Netzwerk CIO (f) - Frauen im IT-Management versteht sich als Forum für erfolgreiche IT-Managerinnen ganz ohne Vereinsstruktur und Mitgliedsbeiträgen. Bei regelmäßigen Treffen tauschen sich die Managerinnen aus. Organisatorisch unterstützt der Arbeitgeber von Simone Funke, die Lexta Consultants Group in Berlin, das Netzwerk.

Weltweit: DWEN

Das "Dell Women´s Entrepreneur Network (DWEN) verbindet Frauen rund um den Globus, die als Unternehmerinnen mit IT-Bezug eine eigene Firma gegründet haben. Jährlich treffen sich die dort engagierten Frauen auf einer Konferenz, um sich über neue Geschäftsideen und Kooperationen auszutauschen.