Security-Papst Kaspersky

"Ohne digitalen Pass ist die Demokratie gefährdet"

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Auf dem "Executive Dialog" am Vorabend der CeBIT warnte Eugene Kaspersky vor den gesellschaftlichen Folgen der starken IT-Fixierung und dem allzu sorglosen Umgang mit den technischen Möglichkeiten.
Foto: Kaspersky Lab

"Ich bin paranoid", outete sich der Gründer, Chairman und CEO des Anti-Viren-Spezialisten Kaspersky Lab, "und das nicht, weil ich in diesem Geschäft bin; vielmehr bin ich in diesem Geschäft, weil ich immer schon paranoid war".

Mit diesem Bekenntnis erwarb Kaspersky quasi jedes Recht zu einem Rundumschlag in Sachen Worst-Case-Szenarios. Sein Vorredner, der Gartner-Vice-Präsident Peter Sondergaard, hatte gerade konstatiert, zwei Drittel der CEOs billigten der IT in dieser Dekade einen größeren Wertbeitrag zu als jemals zuvor. Kaspersky konterte: "Ich bin davon überzeugt, dass die IT in dieser Dekade nicht nur den größten Wertbeitrag leisten, sondern auch den größten Schaden anrichten wird."

Selbstverständlich kann man solche Bemerkungen als Eigenwerbung abtun. Aber einige von Kasperskys Thesen sind kaum von der Hand zu weisen. Beispielsweise lasse sich gut beobachten, wie sich Cyber-Kriminelle immer wieder neue Spielwiesen suchten, so der Sicherheitsexperte. In den vergangenen acht Jahren habe Kaspersky Lab insgesamt rund 1000 Virenangriffe auf mobile Endgeräte gezählt. Heute gäbe es dieselbe Anzahl innerhalb eines Monats.

Anhaltende Sorgen bereitet den IT-Managern auch der Schutz der digitalen Privatsphäre. In Deutschland sei die Privacy gut geschützt, lobte Kaspersky. Aber im internationalen Umfeld spiele das kaum eine Rolle: "Das Internet kennt keine Ländergrenzen."