Aus der CW-Lesergruppe

"Offshoring ist nichts für Kreativprojekte"

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Das Auslagern von IT-Leistungen in Niedriglohnländer ist unter CW-Lesern umstritten.

Als Reaktion auf die Offshoring-Diskussion in der Xing-Gruppe "CW-Leser" hat uns die E-Mail eines SAP-Beraters erreicht. Er berichtet von einem problematischen Offshoring-Projekt bei seinem Auftraggeber. Namentlich möchte er mit seiner Kritik nicht genannt werden. Daher veröffentlichen wir den Beitrag mit seiner Zustimmung anonym.

"Im letzten Jahr wurde bekannt, dass die Firma, für die ich derzeit als Berater tätig bin, ihre IT-Services nach Indien auslagern wird. Es gab dann eine Phase des Handovers, in der die Aufgaben den indischen Mitarbeitern übergeben werden sollten. Was folgte, spottet jeder Beschreibung.

Zunächst dachten wir: Lassen wir es mal so laufen. Die Kollegen aus Indien werden sich schon melden, wenn ihnen Know-how fehlt.

Ohne Kontrolle schlechte Ergebnisse

Der Schuss ging leider nach hinten los. Entweder blieben sie untätig und ließen zum Beispiel gewisse Prozesse im Monatsabschluss einfach aus. Oder sie machten kompletten Blödsinn, der absolut nicht nachvollziehbar war. Noch schlimmer wurde es, als kleine Change Requests abzuarbeiten waren. Auch hier haben wir die Inder zunächst einmal machen lassen. Heraus kamen Vorschläge, die von komplettem Unvermögen zeugten und eine Problemlösung meilenweit verfehlten. Teilweise waren die Vorschläge einfach nur falsch. Eine Implementierung der Empfehlungen der indischen Programmierer hätte zu irreparablen Schäden an der Datenkonsistenz geführt.

Das Projekt ist gescheitert

Ich kann den SAP-Experten, von dem im CW-Leser-Forum berichtet wurde, verstehen, wenn er sagt: ,Ich kündige, weil ich keine Lust mehr habe hinter den Indern aufzuräumen.` Was bringt es, jemanden zu beauftragen, der nur ein Fünftel des Preises lokaler Mitarbeiter kostet, wenn er anstatt Arbeit wegzuschaffen neue Arbeit generiert?

Das ,Experiment Indien` in der Wartung einer bestehenden Individualsoftware kann ich eindeutig als gescheitert bezeichnen. Für Standardverfahren (Benutzerkontenverwaltung, Berechtigungsvergabe etc.) halte ich diese Deals für tragbar. Sobald aber Kreativität gefordert wird, ist man auf dem Subkontinent leider so gut aufgehoben wie ein Eisbär im Nil-Delta." (jha)

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