ChevronWP7

Offizieller Jailbreak für Windows Phone ist ausverkauft

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Der erste Jailbreak für Windows Phones mit offiziellem Segen von Microsoft ist inzwischen ausverkauft.

Die Betreiber von "ChevronWP7" haben mittlerweile 10.000 Tokens zu je neun Dollar verkauft, mit denen man ein Windows Phone so entsperren kann, dass sich darauf auch Apps von außerhalb des offiziellen Windows Phone Marketplace - sogenannte "Homebrew"-Anwendungen - installieren lassen. Neun Dollar sind ein Schnäppchenpreis; ein Entwicklerkonto bei Microsoft (dessen Developer Unlock ebenfalls die Installation von Apps außerhalb des Marketplace erlaubt) kostet das Elffache.

ChevronWP7 erschien zunächst kurz nach Microsofts Mobilplattform Windows Phone inoffiziell. Microsoft einigte sich später mit den Entwicklern und versprach dann sogar Support für eine offizielle Version, die im vergangenen November herauskam. Dabei einigten sich beide Seiten auf die Mengenbeschränkung von 10.000. Laut ChevronWP7-Sprecher Rafael Rivera laufen aber bereits Verhandlungen über eine Aufstockung, wie "The Verge" berichtet.

Microsoft bemüht sich nach Kräften, möglichst viele Entwickler für Windows Phone zu gewinnen. Das gestaltet sich allerdings nicht einfach, unter anderem weil man für die Plattform weder mit C/C++ noch OpenGL entwickeln kann und sich daher Code, der bereits für andere mobile Plattform geschrieben wurde, nicht wiederverwenden lässt. Zahlenmäßig hinkt der Windows Phone Marketplace mit inzwischen gut 50.000 Apps erheblich hinter dem App Store von Apple und dem Android Market her, natürlich auch weil Windows Phone deutlich später verfügbar war als iOS und Android.

Windows Phone - dritte Kraft oder Milliardengrab?

Grundsätzlich stellt sich damit weiterhin die Frage, ob es Microsoft noch schafft, seinen Plattform-Nachzügler als dritte Kraft im Mobilmarkt zu etablieren. Dass dies bisher nicht gelungen ist, gestand über Weihnachten unter anderem Charlie Kindel, ein früherer General Manager der Entwicklerplattform für Windows Phone, in seinem Blog ein. Aus Kindels Sicht liegt das daran, dass Microsoft mit Windows Phone sowohl den Geräteherstellern als auch den Netzbetreibern den Stinkefinger gezeigt hat - deswegen werde WP7 von beiden Seiten zögerlich aufgenommen, obwohl es ein technisch überlegenes Produkt sei.

Dem widersprach prompt Szeneblogger Surur bei "WMPoweruser". Android sei primär deswegen so erfolgreich, weil es eine preiswerte iPhone-Kopie abgeliefert habe, schreibt er. Windows Phone sei zwar gelungen, aber einfach nicht das, was die Consumer wollten. Deswegen verliere Microsoft den Kampf vor den Regalen der Carrier - und nicht weil diese Windows Phone nicht genügend pushten. Bei beiden Blogposts sollten Interessierte unbedingt auch die (langen!) Kommentar-Threads lesen.

Man darf jedenfalls gespannt sein, ob Microsoft oder sein derzeit bevorzugter Gerätepartner Nokia - der bislang nur mittelprächtige Hardware abgeliefert hat - demnächst neue offizielle Verkaufszahlen für Windows Phone rauslassen; Microsoft-Boss Ballmer könnte seine letzte Keynote bei der CES in Las Vegas dafür nutzen. Android-Manager Andy Rubin hat jedenfalls gerade erst verlautbart, dass allein an den beiden ersten Weihnachtstagen satte 3,7 Millionen Android-Geräte (= Smartphones und Tablets) neu aktiviert wurden. Und Apple verkauft weiter so viele iPhone 4S, wie die Produktion hergibt - und das mit Margen, von denen die anderen Spieler nur träumen können...