Office und ERP kommen sich näher

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Anwender von Business-Software wollen eine enge Kopplung mit Office-Software. Lösungen dafür gibt es nicht nur von den Branchenriesen.

Clients von ERP-Systemen sind nicht immer die beliebtesten Programme. Zwar hat sich in den letzten Jahren einiges getan, doch noch immer fällt es Anwendern mitunter schwer, die Frontends ihrer Business-Software in die übrige Desktop-Umgebung einzubetten. Für gewöhnlich buchen Mitarbeiter Stundensätze eines Projektauftrags im ERP-Client, die Korrespondenz mit dem Kunden, Projektdokumente und Ähnliches verwalten sie mit Bürokommunikationsprogrammen. Somit sind sie gezwungen, mehrere Tools zu verwenden, um ihre Arbeit zu erledigen. Office haben die Nutzer akzeptiert, ERP-Frontends weniger. Wer zum Beispiel mit Geschäftsdaten hantiert, greift gern zu Excel, weil das ERP-Frontend sich in puncto Berichtswesen als unflexibel erweist. Dies war auch ein Ergebnis der "ERP-Zufriedenheitsstudie" der Trovarit AG und der computerwoche.

Hier lesen Sie ...

  • warum Hersteller die Office- ERP-Kopplung forcieren;

  • welche Strategie SAP und Microsoft dabei verfolgen;

  • dass bereits eine Reihe von ERP-Herstellern eine Integration realisiert hat;

  • dass IBM als Antwort auf Duet Lotus Notes und „Workplace“ mit SAP-Lösungen verknüpft;

  • dass auch Star Office und Open Office für die ERPKopplung geeignet sind.

Von "Duet" wird zwar am meisten geredet, Office-Verknüpfungen mit ERP-Systemen hat aber auch eine Reihe anderer Anbieter realisiert.
Von "Duet" wird zwar am meisten geredet, Office-Verknüpfungen mit ERP-Systemen hat aber auch eine Reihe anderer Anbieter realisiert.

Nun versprechen manche ERP-Hersteller, sie könnten die Trennung zwischen Office- und Business-Software aufheben. Anwender wollen sie in die Lage versetzen, bestimmte ERP-Funktionen über Programme wie Outlook und Excel anzustoßen. Der Vorteil: Medienbrüche lassen sich so vermeiden, da der Nutzer zum Beispiel durch das Speichern von Kundenadressen in Outlook auch gleich die entsprechenden Datensätze in der ERP-Umgebung verändert. Zudem verringern sich so möglicherweise Eingabefehler. Und wer Geschäftszahlen ansprechend darstellen möchte, kann diese aus dem ERP-System in Excel laden und mit den Bordmitteln der Microsoft-Software verschönern. Das ging zwar bisher durch Datenexporte so, doch durch eine direkte Kopplung mit dem bestandsführenden System ist es möglich, die Tabellen sofort zu aktualisieren, wenn sich Datensätze ändern.

Besonders laut wirbt SAP für das gemeinsam mit Microsoft entwickelte Produkt "Duet". Über einen Server, der erforderlich ist, um die .NET- mit der von SAP favorisierten Java-Umgebung zu koppeln, lassen sich Office-Anwendungen dazu bewegen, ERP-Funktionen auszuführen.

Office-Kopplung ist nicht neu

Nun ist es aber nicht so, dass nicht schon früher eine Integration zwischen Produkten der Office-Suite und einem ERP-Backend bestanden hätte. Neu ist, dass die Platzhirsche im ERP- beziehungsweise Office-Segment davon sprechen und standardisierte Lösungen schaffen, wo es bislang nur auf Projektebene welche gab. Ferner handelt es sich laut SAP um eine auf Web-Services basierende Lösung, die auch als Anschauungsobjekt für die moderne Softwarekonzepte herhalten soll.

Nach den Worten des Microsoft-Chefs Steve Ballmer war sein Unternehmen unter anderem deshalb an SAP interessiert, um das hauseigene Office mit dem marktführenden ERP-Produkt zu verbinden. Aus der Übernahme wurde bekanntlich nichts, man einigte sich stattdessen auf eine Kooperation, aus der schließlich Duet als erste gemeinsame Entwicklungsinitiative entsprang.

Während Microsoft darauf abzielt, Office als Standard-Frontend für ERP-Lösungen zu etablieren, geht es SAP auch darum, mit dem Verkauf von Duet neue Nutzerschichten in den Unternehmen anzusprechen. Vor allem solche Mitarbeiter, die bisher kaum oder nie ERP-Funktionen nutzen, sollen über die Office-ERP-Kopplung zu SAP-Anwendern werden. Dies setzt neben der Duet-Software natürlich auch zusätzliche ERP-Lizenzen voraus.

Doch Microsoft denkt über Duet hinaus. Der Softwareriese bindet derzeit seine Office-Suite an die eigenen ERP-Lösungen wie "Dynamics Nav" und "Dynamics AX" an. Eine wichtige Rolle spielt dabei der "Dynamics Client", der mit Version 5.0 von Dynamics Nav im nächsten Jahr erscheinen soll.