Office geht ins Web

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Microsofts Antwort auf Google Docs lautet "Office Web Applications" als kostenloser Online-Dienst.

Microsofts Cloud-Welle macht auch vor der Mutter aller Rich-Client-Pakete nicht Halt: Auf der Professional Developers Conference (PDC) Ende Oktober in Los Angeles gewährte der Softwarekonzern erste Einblicke in die neuen "Office Web Applications" von Office 14. Zukünftig sollen die vier Kernapplikationen Word, Excel, Powerpoint und OneNote im Browser angeboten werden.

Multi-Client-Collaboration

In einer Präsentation vermittelte Takeshi Numoto, General Manager Office Client, Details des Dienstes. Auf den ersten Blick erkennt der Beobachter Excel an seiner typischen Ribbon-Oberfläche, lediglich der Browser-Fensterrahmen zeugt von der Web-Herkunft.

Die grundlegenden Funktionen gleichen der PC-basierenden Variante, wie Numoto an einer reichhaltig formatierten Tabelle vorführte.

Als Highlight zeigte er die Fähigkeit der Suite zur Echtzeit-Zusammenarbeit über das Web. Fügt man beispielsweise ein Bild in ein freigegebenes Word- oder OneNote-Dokument ein, wird dies umgehend über das Web repliziert. Auf diese Weise können mehrere Bearbeiter ähnlich wie bei Google Docs an einem gemeinsamen Dokument arbeiten. Ob der jeweilige Anwender dabei im Browser eines Windows-Rich-Clients oder gar mit einem Smartphone arbeitet, ist egal.

Ferner betonte Microsoft den Support alternativer Plattformen: Office Web Applications soll alle gängigen Browser unterstützen, wie Takeshi mit seiner Collaboration-Demo zwischen Internet Explorer und Firefox zeigte.

Allerdings kündigte er an, dass das Web-Büropaket neben der plattformneutralen HTML/Javascript-Variante auch noch in einer mit Silverlight angereicherten RIA-Version angeboten werde. Darüber hinaus soll es möglich sein, Textpassagen, Grafiken oder andere Komponenten eines Dokuments in einem Web-kompatiblen Format zu exportieren, um diese in Blogs, Wikis oder anderen Publikationsplattformen zu integrieren.

Werbung oder Abo

Zu den größten Herausforderungen für Microsoft dürfte die Vermarktung des neuen Multi-Client-Office zählen. Senior Vice President Chris Caposella kündigte in diesem Zusammenhang an, dass Privatanwender über Office Live wahlweise einen werbe- oder abonnementfinanzierten Zugang erhalten sollen. Über Lizenzformen für Unternehmen machte er noch keine konkreten Angaben. Der Manager stellte jedoch klar, dass aus Sicht von Vertriebspartnern wie Systemhäusern oder Lösungsanbietern alles beim Alten bleiben solle: "Diese Ankündigung ändert nichts an der grundsätzlichen Weise, wie unsere Kunden Office erwerben."

Gemeinsam mit Office 14

Eine Technology-Preview der Office Web Applications soll bis Ende des Jahres verfügbar sein. Das Paket wird gemeinsam mit Office 14 erscheinen, dessen Veröffentlichung derzeit für Ende 2009 angesetzt ist. (ws)