Ferdinand Vogel / First Data

Offen für neue Wege

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.

Das Bankengeschäft faszinierte Ferdinand Vogel schon immer. Als Vogel sich 1991 für seinen ersten Job in der Branche entschieden hatte, war das für ihn eine gute Gelegenheit, den universitären Elfenbeinturm zu verlassen. Damit keine Langeweile aufkam, hat sich der Chief Technology Officer (CTO) alle drei Jahre eine neue Aufgabe gesucht - ohne dabei immer das Unternehmen zu wechseln. Vogel sah sich noch nie als Hardcore-Technologe. Sein Credo lautet vielmehr: Um Erfolg zu haben, müssen Geschäft und IT sehr eng miteinander verzahnt werden. Dabei sieht er es als großen Vorteil eines mittelgroßen Unternehmens wie First Data an, die notwendigen Entscheidungen rasch umsetzen zu können.

Ferdinand Vogel

Projekt: Restrukturierung der GZS Gesellschaft für Zahlungssysteme

Strategie: Unterstützung der Modellierung und Implementierung von Geschäftsprozessen

Ein CIO muss ... über ein gutes Beziehungs-Management verfügen.

Das wichtigste Projekt war für Vogel in den vergangenen zwei Jahren die Restrukturierung der GZS Gesellschaft für Zahlungssysteme (jetzt First Data Deutschland). Dass das Projekt schneller als geplant Erfolg gezeigt hat, erfüllt den CTO mit einem gewissen Stolz: "Der Erfolg war nur zusammen mit kompetenten und motivierten Mitarbeitern möglich." So wurden die finanziellen Ziele anstatt 2006 bereits Ende 2005 erreicht.

Da First Data International durch Firmenübernahmen in Europa stark gewachsen ist und weiter wachsen wird, will Vogel in nächster Zeit eine einheitliche prozessuale Sicht auf das Anwendungsportfolio entwickeln sowie Geschäftsfunktionalität global verfügbar und integrierbar machen. Helfen soll ihm dabei der Aufbau einer Kultur unter dem Motto "Mehr Mut zur Kreativität". "Beschreitet man neue Wege, sind die begeisterten Mitarbeiter sowieso Feuer und Flamme, doch die Skeptiker müssen überzeugt werden", erklärt er. Für die Überzeugungsarbeit seien Aspekte wie Authentizität, Ehrlichkeit und Offenheit wichtig - als Verfechter des offenen Wortes dürfte ihm das nicht allzu schwer fallen.

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