Microsoft Office Mobile & iOS

Offen für natives App Management

Carsten Mickeleit ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der Cortado Holding AG mit seinen Unternehmen ThinPrint GmbH, Teamplace GmbH und Cortado Mobile Solutions GmbH. Seit Gründung seines ersten Unternehmens 1990 - der Carano GmbH - ist er am IT-Markt aktiv, seit 1996 insbesondere im Virtualisierungs/Cloud Computing und seit 2001 im Enterprise Mobility Bereich.
Lediglich als Druckfunktion angekündigt, öffnet sich Microsoft Office anderen Apps und dem iOS-App-Management

Microsoft Office Mobile gehört zu den beliebtesten Apps für iPhone und iPad und das, obwohl diese Geräte eigentlich mit dem kostenlosen und auch recht ausgereiften Apple Office-Produkten Pages, Keynote und Numbers ausgeliefert werden. Größtes Manko von Microsoft Office im Vergleich zu den Apple Produkten war bislang allerdings, dass Microsoft Office sich so gut wie an keine offizielle Schnittstelle des Apple-Betriebssystems hielt. Dies natürlich nicht ohne Absicht, denn Microsoft ist bemüht, sein eigenes Ökosystem für die mobilen Plattformen zu entwickeln. So wurden Apples Document Extensions, die einen offenen Austausch mit Filesharing-Lösungen bieten, ignoriert und stattdessen lieber selektiv nur bestimmte Partner integriert. Und selbst die einfache Standard-Funktion Open-In für den Austausch von Dokumenten zwischen Apps wurde nicht unterstützt.

Dies ärgerte nicht nur den Anwender, sondern ist auch für Administratoren ein echtes Problem, denn so ließ sich Microsoft nicht sauber über die klassischen Enterprise-Mobility-Lösungen managen. Den ungewollten Zugriff auf Dropbox, kann man deshalb nur mit ein paar Tricks verhindern. Selbst Citrix mit seiner XenMobile-Lösung bleibt - trotz enger Partnerschaft mit Microsoft - außen vor. Microsofts Antwort war klar: Es wird das hauseigene Intune empfohlen. Die Enterprise-Mobility-Hersteller gründeten unter anderem deshalb im Februar die App Config Community, um einen Gegenpol zu erzeugen.

Was genau Microsoft von der Öffnung überzeugt hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Interessant ist aber, dass die neue Funktion lediglich mit dem Verweis auf eine erweiterte Druckfunktion Einzug in das Office-Produkt erhielt. Da sofort am gleichen Tag eine Fehlerbehebung hinterhergeschoben wurde, ist die Funktionserweiterung nun gar nicht mehr ersichtlich. Aber das Update hat es dafür in sich.

Unterstützung der Apple Document Extensions

Bislang ging Microsoft hier seinen eigenen Weg. Klickt man aber nun auf die drei Punkte unterhalb des Plus-Zeichens, wird das iOS-Standardinterface für Document Extensions aufgerufen. Damit erhält man sofort direkten Zugriff auf die iCloud-Verzeichnisse, kann aber auch weitere Speicherorte hinzufügen.

Bild 1: Drei Punkte führen zu den Apple Document Extentions
Bild 1: Drei Punkte führen zu den Apple Document Extentions
Foto: Foto: Cortado Mobile Solutions GmbH
Bild 2: Apple-iCloud-Verzeichnisse
Bild 2: Apple-iCloud-Verzeichnisse
Foto: Foto: Cortado Mobile Solutions GmbH
Bild 3: Weitere Dokumenten-Quellen
Bild 3: Weitere Dokumenten-Quellen
Foto: Foto: Cortado Mobile Solutions GmbH

Dabei ist zu beachten, dass es sich hier nicht um einen einfachen Document Picker handelt, sondern, dass der Speicherplatz dauerhaft an Microsoft Office angebunden wird. Dies wird noch nicht von allzu vielen unterstützt. Wie auf Bild 3 erkennbar, aktuell weder von Dropbox noch von Teamplace, aber sicherlich wird Microsofts Unterstützung an dieser Stelle ein Ansporn für viele Entwickler sein.

Open-In von Microsoft Dokumenten in anderen Anwendungen

Bislang konnte Microsoft Office lediglich über Open In, also die Apple iOS-Standardschnittstelle zum Dokumentenaustausch, Dokumente öffnen. Einmal in Microsoft Office gelandet, konnten diese aber nicht mehr über Open-In mit anderen Apps ausgetauscht werden. Dies ist nun geändert: Per Open-In gelangen nun Microsoft-Office-Dokumente auch in andere Apps, zum Beispiel Pages, oder können über beliebige Cloud-Storage-Dienste geteilt werden.

"Mit einer anderen App senden" führt zu Open-In
"Mit einer anderen App senden" führt zu Open-In
Foto: Foto: Cortado Mobile Solutions GmbH
Die Datei kann dann von beliebigen anderen Apps weiterverarbeitet werden
Die Datei kann dann von beliebigen anderen Apps weiterverarbeitet werden
Foto: Foto: Cortado Mobile Solutions GmbH

Office Mobile: Im Drucken iOS 10 voraus

Tatsächlich angekündigt hat Microsoft die Open-In Erweiterung beim Drucken. Was erst einmal verwundert, macht letztendlich Sinn. Denn AirPrint ist nur ein recht eingeschränkter Weg, etwas zu drucken, es setzt in der Regel einen AirPrint-fähigen Drucker voraus, mit dem man sich im gleichen Netzwerk befinden sollte. Zur Unterstützung von Apples AirPrint muss Microsoft auch jetzt schon aus Office-Dokumenten PDF’s erzeugen, da ist es ein Leichtes, dieses dann auch mit einer Druck App zu teilen und das PDF Format beherrschen alle. Auch Apple wird es ab iOS10 erlauben, über den AirPrint-Weg PDFs zu erzeugen. Druck-Apps sind im App Store zahlreich vorhanden.

Parallel zu AirPrint bietet Microsoft Office nun die Möglichkeit zur Nutzung anderer Druck-Apps
Parallel zu AirPrint bietet Microsoft Office nun die Möglichkeit zur Nutzung anderer Druck-Apps
Foto: Foto: Cortado Mobile Solutions GmbH

Drucker-Apps der Hersteller: Epson iPrint, Brother iPrint&Scan, Samsung Mobile Print und viele mehr. Jeder Druckerhersteller hat seine App entwickelt. Wenn auch meist beschränkt auf die Druckermodelle des jeweiligen Herstellers, sind diese gerade im privaten Gebrauch recht praktisch, da man ja meist lediglich einen Drucker besitzt.

Cloud-Printing-Apps wie ThinPrint Cloud Printer ermöglichen das Drucken auf nahezu jedem Drucker direkt über Wifi oder auch aus der Ferne. Ezeep kann nicht nur Drucker und Anwender verwalten, sondern auch Richtlinien durchsetzen und sogar direkt Ausdrucke abrechnen. Es eignet sich somit sehr gut für Coworking Spaces und Universitäten. HP ePrint hingegen unterstützt das hauseigene HP Wireless Printing und kann darüber hinaus auch Druckaufträge an Copy Center und ähnliche Einrichtungen senden. Google Cloud Print fällt grundsätzlich auch in diese Kategorie, nur stellt Google selbst keine App für iOS zur Verfügung, dafür kann man aber Apps von unabhängigen Entwicklern einsetzten.

Enterprise Printing Apps beispielsweise von Breezy, PrinterOn oder auch die integrierte Lösung von Cortado ermöglichen das sichere Drucken im Unternehmensnetzwerk, teilweise auch mit entsprechender Benutzerauthentifizierung per iPhone.

Nicht unwesentlich ist dabei, dass Microsoft Office Mobile, zumindest im Fall von Excel, die Layoutoptionen vor die PDF-Generierung gestellt hat.

Druckoptionen von Microsoft Excel
Druckoptionen von Microsoft Excel
Foto: Foto: Cortado Mobile Solutions GmbH

Unabhängig davon, wie die Druck-App Optionen unterstützt, kann das Dokument optimal auf Papier gebracht werden. Auch wenn häufig das papierlose Büro zitiert wird: Eine Office App ohne Druckunterstützung macht wenig Sinn. Und während Microsoft Office tatsächlich die erste Version ohne Druckunterstützung auf den Markt gebracht hat, bietet das neue Office nun das Maximum. Mit dem aktuellen Update lässt sich Microsoft Office Mobile weitgehend mit den Enterprise-Mobility-Lösungen managen, die auch beim iOS-App-Management zum Einsatz kommen. Vor allem lassen sich jetzt native Business Container erstellen, die Microsoft Office als Bestandteil haben. Damit ist eine weitere wesentliche Hürde für den Einsatz von iPhone und iPad im Unternehmensalltag genommen. (fm)