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Österreichische Musikbranche hofft auf digitalen Markt

20.02.2008
Von pte pte
Gemessen an den verkauften Einheiten hat der Musikmarkt in Österreich im vergangenen Jahr um neun Prozent zugelegt. Wie der Verband der Musikwirtschaft IFPI http://ifpi.at heute, Mittwoch, in Wien bekannt gab, konnten 2007 rund 24 Mio. physische Tonträger sowie Handy- und Internetdownloads verkauft werden. Das entspricht einem Anstieg um zwei Mio. Einheiten im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem der Digitalmarkt konnte mit einem Absatzplus von 60 Prozent und einem Umsatzplus von 14 Prozent deutlich zulegen. Laut IFPI nutzen bereits mehr als 500.000 Österreicher die neuen digitalen Musikangebote. Insgesamt konnte allerdings auch der boomende digitale Sektor nicht den Rückgang beim Verkauf von physischen Tonträgern ausgleichen. So haben österreichische Konsumenten im abgelaufenen Jahr mit 201 Mio. Euro um sieben Prozent weniger als 2006 für den Kauf von Musik ausgegeben.

"Wir blicken mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Jahr 2007 zurück", erklärt Franz Medwenitsch, Geschäftsführer IFPI Austria. Insbesondere der Digitalmarkt habe sich als Wachstumsmotor für die Musikbranche erwiesen. "Erstmals wurde beim Musikverkauf über Online-Shops und Handys die 10-Mio.-Grenze überschritten", stellt Medwenitsch fest. Dies betreffe sowohl den Umsatz (zehn Mio. Euro) als auch die verkauften Einheiten (10,2 Mio.). Der Anteil der Online- und Mobile-Umsätze am Gesamtmarkt betrage in Österreich rund sechs Prozent, der Vergleich mit dem Vorjahr zeige eine steigende Tendenz. "Interessant ist weiters, dass der E-Commerce-Bereich den Fachhandel als beliebtere Einkaufsstätte 2007 erstmals abgelöst hat", schildert Medwenitsch. So ist der Verkauf von physischen Tonträgern über das Internet von acht Prozent auf elf Prozent angestiegen. Auch der Anteil der rein digital vertriebenen Musik konnte von fünf auf sechs Prozent zulegen. Dominierendes Musikformat bleibt aber auch weiterhin die CD, die 83 Prozent des Gesamtmarktes ausmacht. Ihr folgt die Musik-DVD mit sieben Prozent und der stetig wachsende Digitalmarkt mit sechs Prozent.

"Die Musikbranche befindet sich mitten in einem Paradigmenwechsel", meint Hannes Eder, General Manager von Universal Music Austria. Neue Vertriebskanäle, Technologien und Endgeräte hätten die Nachfrage gesteigert und den Musikmarkt fragmentiert. "Die klassische Record-Company ist heute nur mehr als Entertainment-Company überlebensfähig", so Eder. Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen sei vor allem der Schutz des geistigen Eigentums ein zentrales Anliegen der Musikindustrie. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten unter anderem auch Internet-Provider stärker zur Verantwortung gezogen werden. "Dazu bedarf es jedoch einer Weichenstellung von politischer Seite", betont Eder. Konkrete Vorstellungen, wie solche neuen Geschäftsmodelle aussehen könnten, habe man bereits. "So genannte Flat-Fee-Modelle, die eine pauschale Nutzung des Musikangebots für eine bestimmte Zeit erlauben, wären hier ein denkbarer Ansatz", erklärt Medwenitsch gegenüber pressetext.

Auch im internationalen Vergleich bestätigt die IFPI das Wachstum des digitalen Musikmarkts (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=080124018 ). Die weltweiten Online- und Mobile-Sales erreichten 2007 knapp drei Mrd. Dollar, etwa 40 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Einzeltrack-Downloads, dem populärsten digitalen Musikformat, wuchs um 53 Prozent auf 1,7 Mrd. Dollar. Die Wachstumsrate des Digitalmarktes liegt in Großbritannien bei 48, in den USA bei 45 und in Deutschland bei 38 Prozent. (pte)