IT-Ausgaben

Öffentlicher Sektor investiert weiter

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Anzeige  Die öffentliche Hand behauptet sich im allgemeinen Abschwung als "Fels in der Brandung".

Die geplanten IT-Investitionen der öffentlichen Hand scheinen bislang nicht in Frage zu stehen. Das liegt allerdings vor allem daran, dass sich viele Ausgaben kaum verschieben lassen, da sie gesetzlich schon verankert sind, räumen die Berater und Marktforscher von Pierre Audoin Consultants (PAC) ein.

So muss die Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie nach EU-Vorgabe bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. Diese Aufgabe zieht laut PAC umfangreiche IT-Investitionen nach sich - insbesondere wegen der Vernetzung sämtlicher Landes- und Kommunalbehören. Angestrebt werden Online-Dienstleistungen im Sinne eines "One-Stop-Government". Das heißt, Unternehmen sollen künftig alle Amtswege von einem einzigen Zutrittspunkt aus erledigen können. Darüber hinaus sind viele öffentliche Einrichtungen gezwungen, ihre Verwaltungsprozesse zu verbessern und mit IT zu stützen, um trotz schrumpfenden Personals bessere Dienste bereitstellen zu können.

Ähnlich ist es im Gesundheitssektor. Hier gibt es derzeit zwei Schwerpunktthemen: die Gesundheitskarte und die Modernisierung der Krankenhaus-IT. Die Gesundheitskarte soll in einigen Bundesländern Anfang nächsten Jahres eingeführt werden. Damit verbunden sind Investitionen in eine flächendeckende Infrastruktur zur Vernetzung der Ärzte, Krankenhäuser und Versicherer. Die Kliniken in Deutschland haben für 2009 eine Finanzspritze von rund drei Milliarden Euro erhalten. Viele Krankenhäuser fusionieren und müssen ihre IT-Landschaft konsolidieren. Vielerorts ist zudem Ausstattung mit durchgängigen IT-Systemen noch unzureichend. Und angesichts des Mangels an eigenem IT-Personal, das die Projekte stemmen könnte, ist ein Großteil von ihnen auf externe Hilfe angewiesen, so die Experten.

Das Haushaltbudget des Verteidigungsministeriums hatte sich bereits 2008 um fast 20 Prozent erhöht. Für das kommende Jahr soll es noch einmal um knapp sechs Prozent steigen. Zwar sind viele IT-Investitionen schon in den Herkules-Deal eingegangen, dennoch müssen darauf aufbauende Anwendungen modernisiert und aufgrund der zunehmenden Anzahl von Auslandseinsätzen der Bundeswehr flexibilisiert werden. Daher kann laut PAC auch hier von einem Rückgang der Aufträge an externe IT-Dienstleister keine Rede sein.

Während viele Branchen vor dem Hintergrund der Krise ihre Ausgaben zurückfahren, soll das Projektgeschäft im öffentlichen Dienst um mehr als vier Prozent und im Gesundheitssektor sogar um sechs Prozent zulegen, prognostizieren die Experten. Im Vergleich zu 2008 bedeute dies zwar einen leichten Rückgang des Wachstums. Schuld daran seien aber zum Großteil die zahlreichen bevorstehenden Wahlen und die dadurch verzögerten weiteren Entscheidungen. Insgesamt behauptet sich der öffentliche Sektor wieder einmal als "Fels in der Brandung".