Oberpfalz: Bodenständigkeit als Erfolgsfaktor

Jürgen Mauerer betreibt als freier Journalist ein Redaktionsbüro in München.
Durch die EU-Osterweiterung ist die Oberpfalz vom Rand in das Zentrum Europas gerückt. Der Bezirk an der tschechischen Grenze hat sich in den vergangenen Jahren heimlich, still und leise zu einer Hightech-Region entwickelt. Motor ist der Wirtschaftsraum rund um die Hauptstadt Regensburg, in dem etwa 20 000 Menschen in der IT-Branche arbeiten.

Ein guter Ruf eilt der Oberpfalz nicht voraus: Die Region selbst gilt als strukturschwach und wirtschaftlich rückständig, ihre Bewohner sind als hinterwäldlerisch, engstirnig und konservativ verrufen. Ernüchternd für den Bezirk im Nordosten Bayerns ist auch das Ergebnis einer aktuellen Studie des Vereins Regional-Marketing Oberpfalz. Demnach wird die Oberpfalz kaum als Wirtschaftsraum wahrgenommen und häufig mit der Pfalz (Rheinland-Pfalz) verwechselt. "So halten viele die Region fälschlicherweise für ein Weinanbaugebiet", bedauert Brigitte Kauer, Geschäftsführerin des Vereins.

Mit Wein jedoch hat die Oberpfalz wenig am Hut, ihr Boden gab anderes her. Wegen der früheren Kohle- und Eisenerzvorkommen wird die Region gerne als "Ruhrgebiet des Mittelalters" bezeichnet. Doch das war einmal. Bergbau und Stahlindustrie liegen in den letzten Zügen, wie das Ruhrgebiet vollzieht auch die Oberpfalz einen tief greifenden Strukturwandel hin zu einer vom Dienstleistungssektor dominierten Wirtschaft. Eine Hauptrolle spielen dabei die Maschinenbau- und Automobilindustrie sowie vor allem die IT-Branche. So hat BMW mit Werken in Regensburg und Wackersdorf Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen, und auch Zulieferfirmen wie Benteler-Automobiltechnik und andere Dienstleister haben sich im Windschatten des großen Autoherstellers hier angesiedelt.

Führend bei Getränkeabfüllanlagen ist die Krones AG mit weltweit knapp 9000 Mitarbeitern, 5300 davon in den Oberpfälzer Standorten Neutraubling und Nittenau. Weitere bekannte oberpfälzische Unternehmen sind das Elektronik-Versandhaus Conrad Electronic und aus der Glas- und Porzellanindustrie die Firmen Nachtmann und Seltmann in Weiden. Dort ist auch der Hauptsitz der bekannten Firma Auto-Teile-Unger.

Regensburg bewirbt sich um den Titel Europäische Kultur-hauptstadt für das Jahr 2010.

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