Telekom-Chef

Obermann verteidigt Tempo-Bremse für das Internet

13.05.2013
Konzernchef René Obermann hat die scharf kritisierte Tempo-Bremse der Deutschen Telekom für Internet-Vielnutzer verteidigt.

"Bisher zahlen die Intensivnutzer genauso viel wie die Wenignutzer. Wir finden es fairer, wenn die, die das Netz ganz besonders viel nutzen, auch etwas mehr zahlen", sagte Obermann in einem Interview der "Welt am Sonntag".

Telekom-Chef René Obermann (r.) hinter seinem designierten Nachfolger Timotheus Höttges
Telekom-Chef René Obermann (r.) hinter seinem designierten Nachfolger Timotheus Höttges
Foto: Telekom

Für die allermeisten Kunden werde sich nichts ändern, sagte Obermann der Zeitung. Wer nur gelegentlich viel Volumen brauche, könne dies für wenige Euro dazu buchen. Flatrates werde es aber weiterhin geben. Aus heutiger Sicht würden die Vielnutzer zehn bis 20 Euro monatlich mehr zahlen. Dies sei erforderlich, weil die Telekom in den nächsten Jahren rund sechs Milliarden Euro in den Festnetzausbau investieren müsse.

Der deutsche Telekommunikationsmarkt habe zudem in den letzten sieben Jahren einen Umsatzrückgang von neun Milliarden Euro verkraften müssen.

Die Deutsche Telekom will im Festnetz die Internet-Geschwindigkeit ab einer bestimmten Datenmenge drosseln. Seit 2. Mai sind die Tarifbedingungen für neue Verträge entsprechend geändert. Die Drosselung und die neuen Flatrate-Tarife würden aber frühestens 2016 umgesetzt.

Die Obergrenzen bei der Telekom werden künftig je nach Anschluss-Tempo gestaffelt. Ist das Volumen ausgeschöpft, kann die Leitung wie heute bei Mobilfunk-Verträgen auf ein deutlicher niedrigeres Tempo von 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt werden.

Der Verein Digitale Gesellschaft hatte kritisiert, eine solche Drosselung mache "die Verbindung unter heutigen Ansprüchen nicht mehr nutzbar". Die Geschwindigkeit werde damit auf ein Niveau der 90er Jahre reduziert. "De facto ist das eine Sperre", erklärte Markus Beckedahl, Vorstand des Vereins Digitale Gesellschaft.

"Wir haben mit Kritik gerechnet", sagte Obermann. "Und dass man mit der Ankündigung einer Preisdifferenzierung innerhalb der Netzgemeinde niemals Sympathiepunkte sammeln kann, war uns auch klar." (dpa/tc)