Wie Frauen erfolgreich führen

"Oben zu bleiben ist oft schwieriger"

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Seit zwölf Jahren führt Marika Lulay das operative Geschäft des international erfolgreichen IT-Lösungsanbieters für Finanzdienstleistungen GFT. Im CW-Interview verrät sie, was sie antreibt und warum es für Unternehmen weit wichtigere Herausforderungen gibt als eine Frauenquote.

Wie taff muss man sein, um als Frau in der IT-Branche Karriere zu machen?

Marika Lulay verantwortet als COO das operative Geschäft von GFT in elf Ländern.
Marika Lulay verantwortet als COO das operative Geschäft von GFT in elf Ländern.
Foto: GFT Group

MARIKA LULAY: Taff muss grundsätzlich jeder sein, der im Business erfolgreich sein will. Außerdem müssen Sie viel arbeiten, gute Ergebnisse liefern und vor allem auch Rückschläge einstecken können. Aber ich will hier nicht die üblichen Floskeln anführen. Zweifellos ist die IT-Branche extrem dynamisch gewachsen und hat engagierte Menschen, die etwas gestalten wollen, viel schneller in Führungspositionen gebracht als das in tradierten Industrien der Fall ist. Ich selbst habe nie gezielt "nur" Karriere machen wollen und deshalb auch nie darüber nachgedacht, ob ich mir eine zutraue. Es hat sich Schritt für Schritt entwickelt und ich bin mit den Herausforderungen gewachsen.

Seit zwölf Jahren leiten Sie als COO bei GFT das operative Geschäft. Wie haben Sie es geschafft, im schnelllebigen IT-Geschäft oben zu bleiben?

MARIKA LULAY: Oben zu bleiben, ist oft schwieriger als an die Spitze zu kommen. Leider gehören dazu nicht nur gute Entscheidungen, sondern ich habe auch Fehler gemacht - und die sind in so einem Job meist millionenschwer. Aber zum einen gebe ich grundsätzlich nicht gerne auf, sondern beharre darauf, Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Und zum anderen arbeiten wir bei GFT mit einem starken Ankeraktionär in einem fehlertoleranten Umfeld. In unserer Branche wird quasi per se erwartet, auch Neues auszuprobieren - eine 100 prozentige Planungsvorhersage gibt es auf lange Sicht nicht. Neben den Anteilseignern muss ich aber auch die Mitarbeiter hinter mich bringen. Das sind bei GFT rund 3.300 hochausgebildete Akademiker, die jederzeit den Arbeitgeber wechseln können, weil ihre Kenntnisse überall auf der Welt gefragt sind. Sie zu halten, ist mindestens genauso wichtig.

Wie gelingt es Ihnen, diese Menschen an GFT zu binden?

MARIKA LULAY: Da vertraue ich auf unsere Unternehmenskultur. Entscheidend ist, dass alle Probleme offen angesprochen werden. Nicht die Häufigkeit des Austauschs ist entscheidend, sondern die gemeinsame "quality time" - also das gegenseitige Vertrauen und der ehrliche Umgang. Dazu gehört auch, dass Sie selbst dazu stehen, wenn Sie sich bei einer Entscheidung unsicher fühlen oder mal etwas nicht wissen. Das ist zweifellos ein schmaler Grat für einen COO. Aber den müssen Sie finden, damit die Mitarbeiter teilhaben an der Entwicklung der Firma und an Bord bleiben.

Fühlen Sie sich als Frau stärker unter Beobachtung als Männer in einer vergleichbaren Position?

MARIKA LULAY: Diesen Eindruck habe ich nicht. Was ich aber sehr wohl erlebe, ist ein männliches und ein weibliches Führungsprinzip. Beide werden von Männern und Frauen angewandt. Bei GFT muss man nach allen Seiten offen sein, weil wir durch unsere internationale Aufstellung viele unterschiedliche Kulturen im Unternehmen vereinen. Als gebürtige Deutsche verbinde ich vermutlich einen eher männlichen Führungsstil, der fakten-, sach- und prozessorientiert ist, mit dem weiblichen. Dadurch komme ich auch sehr gut mit Menschen klar, die aus eher beziehungsorientierten Kulturen in Südeuropa oder Lateinamerika stammen.

Die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg behauptet: Viele Frauen stehen sich selbst im Weg, weil sie sich keine Karriere zutrauen. Hat sie Recht?

MARIKA LULAY: Für mich gilt grundsätzlich: Wer sich keine Karriere zutraut, sollte besser die Finger davon lassen - egal ob Frau oder Mann. Dem Stereotyp stimme ich aber zu, viele engagierte Frauen unterschätzen leider ihre Fähigkeiten. Manche Bewerberin glaubt aber auch, dass ihr ein bestimmter Job zusteht - zum Beispiel wegen der Quote. Ich finde, auch Frauen müssen erst mal Performance zeigen!

Ihr Name ist selbst in der IT-Branche nur Insidern bekannt. Ist die Vermarktung der eigenen Person in Ihrem Job nicht wichtig?

MARIKA LULAY: Nein. Eine hohe Bekanntheit ist vielleicht nett fürs Ego, aber in unserer Branche müssen Sie nicht brüllen, um aus der Masse hervorzustechen. In der IT-Branche existieren zahlreiche Opportunitäten. Es genügt, mit Fähigkeiten und Kompetenz zu überzeugen.

Was sind Ihre wichtigsten Ziele als COO?

MARIKA LULAY: Überleben.(lacht.) Ganz klar: Mein Ansporn ist es, dass GFT langfristig wächst, profitabel ist, ihren Platz in einem sehr wettbewerbsorientierten Umfeld verteidigt und ihr Geschäft weiter ausbaut. Unser Leitgedanke "clients come first" gilt konzernweit. Bewusst stellen wir nicht den Shareholder Value in den Vordergrund, sondern den Kundennutzen. Wir sind ja ausschließlich im B2B-Geschäft tätig und arbeiten sehr intensiv mit unseren Kunden zusammen. Auch unsere Mitarbeiter, also unsere "Walking Assets", sollen ihre Chancen erkennen und motiviert ihre Leistung erbringen. Am Ende des Tages müssen natürlich auch die Aktionäre zufrieden sein. Wenn Sie mich nach meinem persönlichen Ziel fragen, dann möchte ich diesen ambitionierten Weg noch eine ganze Reihe von Jahren in verantwortlicher Position begleiten.

Die IT erfasst immer größere Bereiche der Wirtschaft. Welche Kompetenzen werden bei der Führung eines Unternehmens im Jahr 2030 gefordert sein?

MARIKA LULAY: Die Vorstandsetagen der IT-Industrie werden sich nicht wesentlich verändern, aber alle anderen! An vielen Stellen wird momentan diskutiert, dass wir zu wenige Frauen in Führungspositionen haben. Wesentlich gravierender finde ich aber, dass es außerhalb der IT-Branche nur selten Vorstände mit IT-Kompetenz gibt. Unternehmen, die den digitalen Wandel verschlafen und es versäumen, rechtzeitig gegenzusteuern, werden im Jahr 2030 keine Rolle mehr spielen und von der Bühne verschwinden.