DMS Expo

Ob klassisch oder trendy - ECM boomt

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die ECM-Branche blickt zuversichtlich in die Zukunft. Die meisten Hersteller erwarten wachsende Einnahmen dank klassischer ECM-Projekte im Mittelstand und mehr Social-Business-Anfragen aus den Reihen der Großunternehmen.
Foto: Pentadoc

Die Anbieter von Lösungen für das Enterprise Content Management (ECM) äußern sich dieser Tage überwiegend zufrieden hinsichtlich ihrer Geschäftsaussichten. Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Bitkom anlässlich der Fachmesse DMS Expo in Stuttgart erwarten 87 Prozent der befragten deutschen Hersteller steigende Umsätze. Die Hoffnung auf bessere Geschäfte beruht auf einem starken Auftragseingang: Im ersten Halbjahr 2013 verzeichneten 58 Prozent der Befragten eine bessere Nachfrage als noch vor einem Jahr.

Das erwartete starke zweite Halbjahr wirkt sich auch auf die Prognose für die Gesamtbilanz 2013 aus: Für das komplette Jahr rechnen immerhin drei Viertel der Befragten mit wachsenden Einnahmen. Damit zeigen sich die ECM-Hersteller im Vergleich zur gesamten deutschen IT-Branche besonders optimistisch. Einer Umfrage des Bitkom unter deutschen ITK-Unternehmen ergab, dass rund 57 Prozent im zweiten Halbjahr mit verbesserten Einnahmen rechnet.

Diese Zuversicht spiegelt sich auch in der Personalplanung der Softwareanbieter wieder: Mehr als zwei Drittel der befragten Firmen will ihre Belegschaft aufstocken, lediglich jeder zwanzigste Befragte gab Einschnitte beim Personal zu Protokoll.

Befragt nach den wichtigsten Trends nannten knapp drei Viertel ECM-Anwendungen aus der Cloud, zwei Drittel bauen auf starkes Wachstum im Segment Mobility. Ebenso viele setzen die Standardisierung von Branchenlösungen auf ihre Agenda.

Die derzeit gute Entwicklung im ECM-Geschäft führt Bernhard Zöller, stellvertretender ECM-Vorsitzender im Bitkom auf zwei Nachfrageschübe zurück: Zum einen besteht im deutschen Mittelstand enormer Nachholbedarf nach Content-Management, zum anderen macht sich der Trend zu kollaborativen Lösungen für Knowledge-Worker in Großunternehmen bemerkbar.

ECM im Mittelstand

Bernhard Zöller, Bitkom: Im Mittelstand wächst der Bedarf nach einer einheitlichen, digitalen Akt.
Bernhard Zöller, Bitkom: Im Mittelstand wächst der Bedarf nach einer einheitlichen, digitalen Akt.

Die steigende Nachfrage mittelständischer Unternehmen hängt vor allem damit zusammen, dass ECM-Lösungen mittlerweile nicht mehr zahlungskräftigen Großkunden vorbehalten sind, sondern zunehmend auch für kleine und mittelgroße Firmen erschwinglich werden. Dort wächst der Bedarf nach einer unternehmenseinheitlichen, digitalen Akte. "Es geht gar nicht so sehr darum, Papier zu ersetzen. Die bei Weitem meisten Dokumente werden heute ohnehin elektronisch erzeugt", beobachtet Zöller. Das gilt vor allem für die Konsolidierung und Archivierung des E-Mail-Verkehrs, auf den heute wesentliche und wichtige Geschäfts-, Verkaufs- und Kaufentscheidungen beruhen. Zudem werden repetitive Aufgaben von Sachbearbeitern vermehrt in ECM-Lösungen implementiert. Darüber hinaus macht sich auch im klassischen ECM-Markt der Mobility-Trend immer stärker bemerkbar. Weil Bandbreite und Computing-Power von Endgeräten wie Smartphones und Tablets kaum noch Leistungsprobleme bereiten, wird die digitale Akte häufiger auch mobil zur Verfügung gestellt.

Collaboration

Das unternehmensweite Dokumenten- und Content-Management löst sich vom Image des Aktenschiebens. Die neue Zielgruppe ist der Knowledge-Worker in den großen Unternehmen, etwa im mittleren, oberen und obersten Management. Dieser Klientel können Anbieter und interne IT künftig kein User Interface mehr mit den Eingabemasken klassischer Dokumentenverarbeitungs-Systeme zur Nutzung bereit stellen, hier geht der Trend zu aktuellen Social-Business-Anwendungen mit User-Schnittstellen nach Facebook-Vorbild. Das Content-Management basiert in diesem Umfeld auf dem schnellen Austausch von Informationen. Gefragt sind außerdem Funktionen, um Dokumenten gemeinsam bearbeiten zu können sowie für das unkomplizierte Suchen und schnelle Auffinden von Informationen. "Collabortion gibt es auch in den großen Unternehmen noch nicht so oft. Da tun sich für die Anbieter neue Märkte auf", beschreibt Zöller die Situation. Vorreiter sind seiner Beobachtung zufolge derzeit große, international aufgestellte Unternehmen. Schon bald dürften die Techniken und Themen aber bis in den Mittelstand vordringen, weil die Hersteller entsprechende Funktionen oder Schnittstellen in ihre ECM-Lösungen einbauen.

Die Gewinner des ECM Award 2013

Auf der DMS Expo hat das ECM-Beratungshaus Pentadoc bereits zum fünften Mal den ECM Award in drei Kategorien verliehen. Mit den Auszeichnungen sollen herausragende Leistungen der Branche gewürdigt werden, und zwar in den Kategorien "ECM-Projekt des Jahres 2013", "ECM-Produkt des Jahres 2013" sowie "ECM-Hersteller des Jahres 2013". Die beiden ersten Preise wurden auf Basis einer Jury-Entscheidung vergeben. Den Hersteller des Jahres haben Anwender im Rahmen eine Online-Votings gewählt.

Die ECM-Awards 2013 haben gewonnen:

  • ECM-Projekt des Jahres 2013:
    Das Projekt "Medneo" des ECM-Anbieters Agorum Software GmbH: Im Rahmen des Vorhabens wurde auf Basis einer Open-Source-Lösung eine Plattform für das Unternehmen Medneo geschaffen, die den digitalen Austausch von radiologischen Diagnosedaten ermöglicht.

  • ECM-Produkt des Jahres 2013:
    Saperion ECM together erweitert das Dokumenten- und unternehmensweite Informations-Management um kollaborative Funktionen. Es stellt den Nutzern quasi eine B2B-reife Umsetzung eines Cloud-Speichers zur Verfügung.

  • ECM-Hersteller des Jahres:
    ELO Digital Office: Erstmals konnte das vor 15 Jahren gegründete Unternehmen diese Auszeichnung der Kunden entgegen nehmen. An der Abstimmung nahmen über 700 Nutzer teil.