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O2 will Mobilfunknetz massiv ausbauen

21.02.2008
Von WIWO WIWO
O2 will sein eigenes GSM-Netz mit moderner Technik nahezu flächendeckend ausbauen. Das teilte Andrea Folgueiras, in der Geschäftsführung von O2 Germany zuständig für Netztechnik, gestern Abend in Düsseldorf mit.

Damit wird der Münchner Mobilfunkanbieter in spätestens zwei Jahren unabhängig sein vom Mitbewerber T-Mobile. Mit dem Bonner Konkurrenten hatte O2 damals kurz nach dem Marktstart des Unternehmens ein Abkommen geschlossen, das den eigenen Kunden erlaubt, in bisher nicht von O2 versorgten Gegenden das T-Mobile-Netz mitbenutzen zu können.

Auch die Versorgung der O2-Kunden mit UMTS, der sogenannten dritten Mobilfunkgeneration, soll bis Ende nächsten Jahres auf 60 Prozent steigen. Gegenwärtig beträgt sie rund 50 Prozent. Wie die beiden Marktführer in Deutschland, T-Mobile und Vodafone, sollen künftig im O2-Netz mobile Daten schneller unterwegs sein. Die Münchner haben daher schon damit begonnen, ihr Mobilfunknetz mit den neuen Turbo-Techniken auszurüsten. Folgueiras erklärte, die Investitionen für den Netzausbau seien Teil des 3,5-Milliarden-Euro-Pakets, das die Muttergesellschaft Telefónica schon im vergangenen Oktober angekündigt hatte.

Die Vorgaben aus der Telefónica-Zentrale in Madrid für die Tochter in München sind eindeutig: 25 Prozent Marktanteil in Deutschland soll der Ausbau der Netzinfrastruktur dem Anbieter am Ende bringen. Insgesamt soll das GSM-Netz von O2 künftig über 17.000 Basisstationen verfügen. 1000 seien eigens dafür vorgesehen, heißt es, Standorte von Geschäftskunden zu versorgen. Auch auf Autobahnen und in Fernzügen der Deutschen Bahn soll die Funkversorgung für O2-Kunden demnächst besser werden: "Hier forcieren wir den Netzausbau", sagte die oberste O2-Technikerin im Gespräch mit wiwo.de.

Der Mobile World Congress in Barcelona hat den Trend vorgegeben: Die Mobilfunkanbieter setzen auf mobile Daten und hoffen darauf, dass die Kunden das "Internet für unterwegs" endlich annehmen werden. Dann, so ist die Branche überzeugt, könnte daraus ein Massenmarkt werden. Um den Kunden die ersten Erfahrungen mit dem Taschen-Web so einfach wie möglich zu machen, soll ein neues Portal mit personalisierbarer Startseite und integrierter Navigationsleiste dem Nutzer das Gefühl vermitteln, das er bereits vom Internet auf dem heimischen Rechner her kennt. Einige beliebte Internetdienste sind schon voreingestellt, können aber vom Kunden geändert und erweitert werden.

Schluss machen wollen die Münchner auch mit dem Teuer-Image des mobilen Internet: "Ab April kostet eine Minute Surfen unterwegs nur 9 Cent", erklärte Lutz Schüler, Geschäftsführer Marketing und Sales. Im ersten Monat sollen die Ausflüge auf der Datenautobahn sogar zehn Stunden lang gar nichts kosten. Im Prepaid-Bereich, also bei den Guthaben-Karten, wird O2 nach Worten Schülers in Kürze nachziehen. Fragen zur Preisgestaltung ließ der Manager noch offen. Dennoch hat Konkurrent T-Mobile hier bereits eine Marke gesetzt: In der Einführungsphase kostet das mobile Surfen 4,95 Euro am Tag kosten; später wird der Preis auf 7,95 Euro angehoben. Fonic-Kunden, so war am Rande der Veranstaltung gestern Abend in Düsseldorf zu erfahren, dürfen sich wohl auf noch etwas geringe Tarife freuen. Fonic ist die (unabhängige) Discounter-Marke von O2.

Verwehrt bleiben den Privatkunden aber bislang die Optionen, die O2-Geschäftskunden für die mobile Datennutzung im Ausland zu ihren Tarifen buchen können. Dennoch waren die Münchner Mobilfunker die ersten, die vor dem Ultimatum der EU-Kommission die Preise für den Datenverkehr im Ausland -  Kurznachrichten eingeschlossen - gesenkt hatten.Geschäftsreisende, die oft international unterwegs sind, können von April an 100 Megabyte pro Monat zum Preis von 50 Euro buchen. Dieses Datenvolumen sei ausreichend, um weltweit 4000 Webseiten aufzurufen oder 5000 E-Mails unterwegs lesen zu können, erläuterte Karola Bode, Vice President Business Systems bei O2.